GREGORY BAUM - DER SPIEGEL
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GREGORY BAUM

• aus DER SPIEGEL 47/1963
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GREGORY BAUM

ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Toronto, gehört dem von Kardinal Bea geleiteten Sekretariat für die Einheit der Christen als Konsultor an und ist offizieller Konziltheologe ("Peritus"). Im Juli 1963 vertrat er die katholische Kirche als Beobachter auf der von 138 nichtkatholischen Kirchen beschickten »Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung« in Montreal.

Der 40jährige geistliche Gelehrte, der aus Berlin stammt und heute kanadischer Staatsbürger ist, zahlt zu den wenigen katholischen Theologen, die sich sowohl in Europa als auch in Amerika einen Namen gemacht haben. Er gilt auf dem Konzil vor allem als seine der Schlüsselfiguren für die Neuorientierung des nordamerikanischen und besonders des kanadischen Episkopats« (Evangelischer Pressedienst).

Der Augustinerpater (Baum: »Weder Hochwürden noch Herr") stammt aus einer deutschen jüdischen Familie, die im Mai 1939 noch England emigrierte. Als 23jähriger wurde der Exberliner - bis dahin Dissident - katholisch, ein Jahr später, 1947, trat Baum in den Augustinerorden ein.

Sein Theologiestudium in der Schweiz schloß der Pater mit einer Doktorarbeit über »Christliche Einheit in päpstlichen Dokumenten des 20. Jahrhunderts« ob, die, wie andere Baum -Werke, in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Vor und während der ersten Session des Konzils 1962 trat der deutschkanadische Theologieprofessor mit progressiven Forderungen hervor und bemängelte sogar die zunächst abwartende Haltung des Papstes. Baum damals über Johannes XXIII.: »Er scheint in zwei Richtungen zu lächeln.« Der Priester-Professor trug wie andere junge Wissenschaftler dazu bei, daß sich die progressiven Bischöfe - mit theologischen Argumenten gewappnet - durchsetzen konnten.

In der vorvergangenen Woche übergab Kardinal Bea dem Konzil den

Entwurf eines Dokuments über die Haltung der katholischen Kirche gegenüber den Juden. Diesem Thema hat sich der einst glaubenslose Jude und heutige Bea-Berater Baum in den vergangenen Jahren wie kein anderer katholischer Geistlicher gewidmet.

In seinem Buch »Die Juden und das Evangelium« (deutsch bei Benziger, Köln) begründete Baum theologisch die Thesen, über die das Konzil demnächst beraten und entscheiden soll: Die katholische Kirche müsse sich stets bewußt sein, daß aus dem jüdischen Volk Christus und die, Apostel hervorgegangen seien; die Bibel rechtfertige keinen Haß gegen die Juden; die Schuld für den Kreuzestod Christi treffe nicht nur die damaligen jüdischen Führer, sondern die gesamte Menschheit.

Hauptthema der zweiten Konzilsession, die am 29. September von Papst Paul VI. eröffnet wurde und die am 4. Dezember endet, war bislang die Stellung der katholischen Bischöfe. Zahlreiche Redner forderten, die Mitverantwortung des Weltepiskopats für die Gesamtkirche müsse in einem Konzilbeschluß hervorgehoben werden.

Bei einer Testabstimmung bejahten 1808 von 2148 Konzilvätern die Frage, ob das Bischofskollegium Nachfolger des Apostelkollegiums sei und in Einheit mit dem Papst die höchste Vollmacht über die ganze Kirche besitze.

Mit fast ebenso großer Mehrheit (1717 Ja-Stimmen) entschied sich die Versammlung der Kirchenoberen dafür, daß diese Vollmacht dem Bischofskollegium nicht nur kraft kirchlichen, sondern kraft göttlichen Rechts zukomme.

Zweifel an der Richtigkeit dieses Beschlusses äußerte Kurienkordinal Ottaviani in der vorletzten Woche bei einer Kontroverse mit dem Kölner Kardinal Frings, der bislang stürmischsten Auseinandersetzung auf dem Konzil.

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