Grenzfall - DER SPIEGEL
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Am Rande Grenzfall

• aus DER SPIEGEL 25/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Also, einer muss das ja den Kollegen der polnischen Tageszeitung »Rzeczpospolita« mal sagen: Von »Borderline-Lobbyismus« haben die wirklich nichts begriffen.

Was soll das denn bitte schön für eine großartige Enthüllung sein, dass die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, selbst gar keine echte Vertriebene ist? Kein schlesischer Stammbaum, stattdessen Papa aus Hanau und Mama aus Bremen?

Geht doch an der Sache vorbei. Was zählt: Erika Steinbach ist echt blond, sieht nun mal besser aus als Herbert Hupka, und die einzige Enthüllung, auf die man bei ihr vergebens wartet ... nun ja, lassen wir das.

So einer Fast-Entwurzelten hört man doch allemal lieber zu als noch so authentisch vertriebenen Greisen, und das ja auch zu deren Vorteil. Denn von der Aufmerksamkeit für die Frontfrau an der Identitäts-Borderline profitiert schließlich die ganze Vertriebenengemeinde. Nur dass so was also in Polen als politisch unkorrekt gilt. Na gut: in Deutschland auch. Weshalb man sich noch viel korrekter vor Augen halten muss: Wer an Steinbach herummäkelt, diskriminiert wiederum die Vertriebenen. Zum Beispiel gegenüber der SPD. Von der verlangt auch keiner, dass sie einen Sozi als Kanzler hat. Oder gegenüber der deutschen Nationalmannschaft. Hat ja auch keinen Fußballfachmann als Bundestrainer. Weil man mit dem Trainerdarsteller Ribbeck nichts gewinnen, aber leben, mit dem originaldeutschen Fußballer Vogts gewinnen, aber nicht leben kann. Mag sein, dass Polen so was für einen faulen Kompromiss halten und nicht verstehen. Deutsche schon.

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