Große Angst
(Nr. 28-31/1981, Nachrüstung)
Nie hatte meine Familie Angst, war so verunsichert wie heute.
Wesel (Nrdrh.-Westf.) HEIKO KIRCHESCH
Die Aussicht erfüllt mich mit tiefer Sorge, daß nach 1983 in der Nähe meines Wohnortes Waffen stationiert werden sollen.
Reutlingen (Bad.-Württ.) EBERHARD WOLF
Man kann kein Vertrauen mehr in unsere Politiker und deren Politik haben. Wirklich: Sie machen einem große Angst.
Lüneburg (Nieders.) GOTTFRIED SCHMIDT
Mit dem Teufel müßte es zugehen, meint Augstein, wenn wir es im dritten Weltkrieg nicht schafften, uns alle zu vernichten. Demnach würden wir dies nur schaffen, wenn es, traditionsgemäß, auch im dritten Weltkrieg »mit Gott« zuginge.
Leutkirch (Bad.-Württ.) HANS WITTEK
Unsere Kompetenz ist »Gott--mit uns«, aber nicht auf einem Koppelschloß!
Paderborn (Nrdrh.-Westf.) HERMANN-W. JUNKER
Einige Artikel zur sogenannten Nachrüstung tragen sicher maßgeblich zum Wachsen der Friedensbewegung bei und geben mir deshalb Hoffnung, die nächsten drei Jahre zu überleben.
Wannweil (Bad.-Württ.) DETLEF HIELSCHER
Diese Politiker wissen, daß sich das Böse niemals zähmen läßt, gedenken Kinder und Enkel und wünschen, die Augen auf das Jenseits gerichtet, um Gottes Zorn vorauszukommen, für alle Menschen einen gnädigen schnellen Tod, nunc et semper.
Wolfenbüttel (Nieders.) DR. WULF PIPER
Mir kommen die Tränen bei soviel Friedensliebe der Russen. Jetzt müssen nur noch die Amerikaner zustimmen, und der Weltfrieden bricht aus.
Winterberg (Nrdrh.-Westf.) GÜNTHER VIERCKE
Vielleicht sollte man anmerken, daß der von der US-Regierung Reagan anvisierte europäische Holocaust die Vergeltung für Auschwitz sein dürfte.
Flims (Schweiz) SIGNE SCANZONI
Bei Gott, teuflischer geht's nicht!
Salzgitter (Nieders.) ERNST BRAUNE
Welche obszönen, niederträchtigen, ja pathologisch krankhaften Züge entwickeln »führende menschliche Vorbilder«, wenn sie als Politiker mit »Gewalt« an der Macht bleiben wollen.
Lohmar (Nrdrh.-Westf.) HUBERTUS HOOSE
Der Vorstoß, in Nordeuropa eine atomfreie Zone zu schaffen, ist völlig realistisch.
Berlin URSEL F. LEUE
Viele in unserem Volke blicken jetzt hoffend auf Willy Brandt.
Westerstede (Nieders.) ROLF HORNIG
Floskeln wie »amerikanische Freunde«, »Bündnistreue« und so weiter stinken doch nun wirklich bald zum Himmel.
Bielefeld THOMAS KRÜGGELER S.8
Es wundert mich, daß bei dem ganzen Gerede kaum jemand von einer effektiven Rüstungskontrolle spricht.
Helmstedt (Nieders.) Pfarrer GERHARD GREVE
Wir wurden, als wir aus dem letzten Krieg als geschlagene Soldaten heimgekehrt waren, von unseren Kindern oft gefragt: Warum habt ihr damals bei Hitler immer geschwiegen? Was tun wir denn heute?
Berumbur (Nieders.) DR. PHILIPP HOFMANN
Die sogenannten Pazifisten behaupten auch noch, unter den Bundesbürgern gebe es eine Mehrheit für ihre Position. Daß der ganz überwiegende Teil unserer Bevölkerung für den Nato-Doppelbeschluß ist, stört sie dabei wohl ebensowenig wie die Tatsache, daß sie den Sowjets die größte Stütze sind bei deren Streben nach der Vormachtstellung.
Düsseldorf DANIEL CAPELLMANN
Übrigens ist das behauptete Rüstungs-Ungleichgewicht zugunsten Rußlands ein assertorisches Urteil, wohingegen unwiderlegbar feststeht, daß Amerika, dessen Präsident der Wirtschaft zuliebe jetzt sogar Umweltschutzgesetze zu Fall bringen will, die Industrie seines Landes durch massive Aufrüstung anzukurbeln trachtet.
Herrsching (Bayern) H. G. ATZENBECK
Der Artikel »Wenn Politik und Feindschaft in eins fallen« ist in allen Punkten exakt richtig. Ich möchte Ihnen sagen, daß es der beste Artikel ist, den ich je von Ihnen im SPIEGEL gelesen habe, sehr geehrter Herr Augstein!
Bochum HEINZ LANGENBACH
Es ist doch enorm beruhigend und vertrauenerweckend, wenn »Laien« wie Präsident Reagan, Haig, Weinberger, Kissinger und viele andere mehr von so eminenten »Fachleuten« a la Rudolf Augstein über Krieg und Frieden belehrt werden.
Zürich A. W. LESS
Bravo! Rudolf Augstein -- ich spreche mit Hans Rosenthal: »Das war Spitze«!
Kiel E. PRAUSE
Ich habe mir hierzulande bei den »Häuslebauern« wegen der von Augstein vertretenen Auffassung sogar Feindschaften im eigenen Bekanntenkreis zugezogen.
Geislingen (Bad.-Württ.) WOLFGANG KUNKEL
Welche der »staatstragenden« Parteien ist noch wählbar? Im übrigen: bestehen noch Zweifel, wie Kollektivschuld entsteht?
Münster HANS ROER
Man kann meines Erachtens das horrende amerikanische Hochrüsten nicht trennen von dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustand der amerikanischen Nation.
Saarbrücken HANS GÜNTER CREWER S.9
Erst die offizielle Erklärung des Ostblocks, auf die kommunistische Weltrevolution verzichten zu wollen, ist der erste Schritt zum Rüstungsstopp und zur Abrüstung.
Arzbach (Rhld.-Pf.) HANS JOACHIM KRUG
Nein und nochmals Nein zu dieser verlogenen »Nur-Rüstung« auf unserem Boden und darüber hinaus bei unseren europäischen Nachbarn.
Rastatt (Bad.-Württ.) ERICH LENSSEN
Friedensliebe allein sagt wenig aus über Breschnews und des Kreml strategische Absichten und Zielstrebungen.
Dornbirn (Österreich) DR. ULRICH SCHESKE
Ich habe immer noch den Eindruck, als gäbe es eine Gesellschaftsschicht, die glaubt, einen Atomkrieg in irgendwelchen sicheren Bunkern zu überleben, um dann wie die Wühlmäuse die Köpfe aus dem Erdreich zu strecken, um zu sehen, was da noch zu holen ist.
Altbach (Bad.-Württ.) HANS ZIMMER
Bis zur erneuten Fragestellung »Wollt ihr Butter oder Kanonen?« kann es dann ja wohl nicht mehr allzu lange dauern.
Rheda-Wiedenbrück (Nrdrh.-Westf.) HEINZ H. DREIER
Die neue Rechte in Amerika bereitet sich auf die größte Rolle vor.
Wiesbaden WOLFGANG TAUBMANN
Den Gipfel der Heuchelei haben die christlichen Gruppen erreicht. Man kann leicht sagen, daß man im Ernstfall »ohne den Schutz militärischer Rüstung« leben wolle, wenn man genau weiß, daß man in eben diesem Ernstfall von Bundeswehr und US Army doch verteidigt würde.
Zürich MARTIN KNOEPFEL
Sicher ist, daß Helmut Schmidt zu weit entfernt ist von den realen Ängsten, die uns Bürger bewegen.
Heidenheim (Bad.-Württ.) MANFRED MAIER
Gibt es außer Brandt niemand unter den deutschen Politikern, die Schmidt, S.10 Strauß und wie sie alle heißen mögen, Paroli bieten?
Neu-Isenburg(Hessen) DR. MED. ROLF GMELICH
In dem Wartezimmer des Landarztes, den ich zur Zeit vertrete, habe ich eine Unterschriftenliste »Ärzte warnen vor dem Atomkrieg« ausgehängt -- mit dem Erfolg, daß sich außer einem Pharmavertreter niemand anderes eintrug.
Auf mein Nachfragen hin bekam ich die alte, aber offensichtlich aktuelle Leier zu hören: »Na, das geht doch alles zum Ministerium, und dann wird man da registriert, und davon kann man doch Ärger bekommen.«
Bad Münder (Nieders.) DR. MED. L. MEKIFFER
Es wird gegen die Einmischung der UdSSR in Afghanistan und die Bedrohung Polens polemisiert, um von der größten Entmündigung und physischen Bedrohung eines Volkes abzulenken, nämlich des gesamtdeutschen.
Westerland (Schl.-Holst.) JOACHIM PLEINES
In einigen Städten der Bundesrepublik gibt es gewaltfreie Aktionsgruppen, die dezentrale gewaltlose Aktionen gegen die drohende militärische Vernichtung organisieren.
Bonn HANS PETER MORTIER Informationsstelle für Friedensarbeit --Gewaltfreie Aktion Bonn
Man möge den Amerikanern die Friedhöfe von Verdun zeigen und die Bilder von Hamburg Ende Juli 1943. Aber vielleicht sollten wir Europäer sie uns auch wesentlich öfter in Erinnerung rufen.
Hamburg ANDREAS LAPPÖHN
Mir ist es scheißegal, wer mit den Russen spricht. Er spricht im nationalen Interesse. Für Brandt eine erregende neue Rolle. Im Interesse nationaler Vernunft keine Raketen auf deutschem Boden!
Frankweiler (Rhld.-Pf.) DR. RER. NAT. DIETRICH SCHUSTER
Ich habe eine Familie mit demnächst vier Kindern und werde bald 53 Jahre alt. Heute wohne ich am Fuße einer Raketenstation. Das Vertrauen, unsere Politiker würden auch unsere Interessen vertreten, habe ich in der letzten Zeit ganz und gar verloren. Auch die letzte Achtung vor denen, die das, was sie tun, jetzt auch noch »Friedenspolitik« nennen. Eine Sprachhurerei ohnegleichen.
Holterdorf (Nieders.) ERICH ENGELBRECHT