PROJEKTE »Große Gefühle«
SPIEGEL: Herr Hoffmann, nach der Oetker-Entführung, dem »Tunnel« und »Vera Brühne« lässt Sat.1 erneut einen zeitgeschichtlichen Stoff verfilmen. Warum haben Sie sich für dieses fast vergessene Grubenunglück entschieden?
Hoffmann: Das »Wunder von Lengede«, bei dem 1963 elf verschüttete Bergleute noch nach zwei Wochen lebend gerettet wurden, hat alles, was eine große Geschichte ausmacht: bewegende Schicksale, eine dramatische Liebesgeschichte, große Helden. Deswegen ist es für uns ein guter Filmstoff. Für die Drehbuchautoren ist es übrigens sehr anspruchsvoll, über das historische Ereignis hinaus Spannung und große Gefühle in die Geschichte zu bringen.
SPIEGEL: Fürchten Sie nicht, dass viele der von Ihnen umgarnten jüngeren Zuschauer mit dem Namen Lengede nicht mehr viel anfangen können?
Hoffmann: Beim Grubenunglück von Lengede konnten die Zuschauer in Deutschland erstmals live vor dem Fernseher das Unglück und die Rettungsaktion miterleben. Die ganze Nation hat via TV mit den Eingeschlossenen mitgelitten - Lengede war eines der größten Unglücke in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
SPIEGEL: Was wird den Film unterscheiden von den Dokumentationen über das Ereignis, die mit Original-Aufnahmen arbeiten?
Hoffmann: So ein Film kann das Drama, die Menschlichkeit und die Gefühle der Figuren viel pointierter zeigen als eine Dokumentation. Die wäre ja ganz der Wirklichkeit verhaftet. Wir können darüber hinausgehen. Die historische Geschichte werden wir nicht verfälschen, aber wir werden vor allem auch die dramatische Geschichte um das eigentliche Unglück herum zeigen.
SPIEGEL: Einige der damals eingeschlossenen Bergleute leben noch. Arbeitet die Produktionsfirma, die jetzt das Drehbuch entwickelt, mit ihnen zusammen?
Hoffmann: Selbstverständlich. Die Zeitzeugen werden beratend zur Seite stehen, die Geschichte erzählen und aus erster Hand berichten. Dass sie selbst im Film mitspielen, ist allerdings nicht geplant.