GROSSE WÜSTE
(SPIEGEL-Serie »Mit den Arabern leben") Mit grobem Interesse verfolge ich die Artikelserie Von Uri Avnery »Mit den Arabern leben« in den letzten Nummern des SPIEGEL. Ich bedauere sehr. daß die Mehrheit Ihrer Leser, nämlich alle diejenigen, weiche die innerpolitischen Verhältnisse Israels nicht kennen, ein völlig falsches Bild von der Wirklichkeit erhalten. Ihre Leser können aber allein in der Tatsache, daß Uri Avnery Herausgeber der halb politischen, halb pornographischen illustrierten Wochenschrift »Haolam Hazeh« und Einzelgänger im Parlament Israels ist, diese unrichtigen Dinge frei schreiben darf, den besten Beweis für das Bestehen der Demokratie in unserem Staat erblicken.
Tel Aviv M. MANOR
Man schätzt Avnery in vielen Kreisen des israelischen Volkes, obwohl man ihn niemals zum Repräsentanten wählen würde. Man würde aber Dajan zum Repräsentanten wählen, auch wenn man in vielen Aspekten anderer Meinung ist als er und ihm oft genug mit großer Reserve gegenübersteht. Natürlich hat in einer Demokratie jeder Mensch das Recht der Kritik an führenden Persönlichkeiten. Warum also sollte Avnery nicht über Dajan urteilen, auch wenn sein Urteil emotionsgeladen, falsch und wie üblich verletzend und ungerecht ist?
Tel Aviv MARTIN BIELSKI
Mit großem Interesse verfolge ich die mutige und objektive Serie von Herrn Uri Avnery über den Zionismus. Leider haben die Ansichten von einsichtigen und vernünftigen Politikern in Israel bis jetzt kein Gehör gefunden. Um die fixen Ideen des Zionismus zu verwirklichen, müssen die israelischen Führer, wie sie der jüdische Journalist Max Ascoli treffend beschrieben hat, kalt, brutal, rücksichtslos und unendlich geheim sein.
Buldern (Nrdrh.-Westf.) DR. MOHAMED NAGIEB
Sonderling und Einzelgänger Uri Avnery spiegelt in der SPIEGEL-Artikelserie sein ganzes Wesen wider: er ist jedermanns Gegner, er verurteilt und kritisiert jeden, niemanden läßt er auch nur halbwegs vollkommen erscheinen (außer sich selbst), sogar der Sozialist und legendäre Ben-Gurion wird von ihm zu einem Araberhasser gestempelt, obwohl Ben-Gurion nicht mal vor einem Bürgerkrieg zurückschreckte, »als die rechtsradikale Cherut-Partei den Versuch unternahm, 1948 den Verteidigungskrieg in einen Angriffs- und Eroberungskrieg umzuwandeln. Ben-Gurion und alle mitverantwortlichen Führer der großen und regierenden Arbeiterpartei Israels aus den Jahren vor der Staatsgründung waren die Prediger und Verfechter der sogenannten Hawlaga, der Verständigung und dem friedlichen Zusammenleben mit den arabischen Nachbarn und der arabischen Bevölkerung in Palästina, eine Einstellung, die manchem jungen Juden im damaligen Palästina während der dauernden arabischen Unruhen, als dauernd jüdisches Blut floß und Menschen hinterrücks ermordet wurden, wie ein Wahnsinn vorkam. Natürlich setzten sich die sozialistischen jüdischen Siedler dafür ein, daß die reichen jüdischen Plantagen-, Großgrund- und Fabrikbesitzer nur Juden beschäftigten. Einerseits galt es, das jüdische Volk, bestehend aus Kaufleuten, Hausierern und weichlichen Angestellten, zu einem normalen Arbeitervolk zu machen, andererseits konnte nicht zugelassen werden, daß spottbillige arabische Arbeitskräfte den Neueinwanderern überall dort das Brot wegnahmen, wo jüdische Unternehmungen gegründet wurden. Palästina war eine einzige große Wüste, so wie rund um Israel heute noch eine Wüste besteht. Wollte man Uri Avnerys Worten blinden Glauben schenken, könnte man meinen, daß Palästina schon seit eh und je so ausgebaut und bevölkert wie heute war, nur daß seinerzeit die Bevölkerung zu 90 Prozent aus Arabern bestand, und dann kamen die bösen Juden, vertrieben die fleißigen und zufrieden lebenden Araber, nahmen ihnen alle Errungenschaften, Bauten, Fabriken, Plantagen et cetera weg und bemächtigten sich so eines blühenden und aufgeschlossenen Landes. In seiner wahnwitzigen Kritik steigert sich Uri Avnery sogar so weit, daß er den jüdischen Kibbuzim vorwirft, daß sie keine Araber als Mitglieder aufnehmen. Ein Kibbuz ist gewissermaßen eine Familiengemeinschaft. In den einzelnen Kibbuzim leben Menschen zusammen, die gemeinsame Interessen, gemeinsame politische Ansichten haben, ja sogar meistens aus gleichen Heimatländern stammen. In Israel gibt es ganz linksradikale, gemäßigte, südafrikanische Gettokämpfer et cetera. Die Mitglieder jeder solcher Familiengemeinschaft haben das Bestreben, überall nur unter sich zu bleiben, Fremdlinge jeder Art sind unerwünscht. Es wäre beispielsweise eine Zumutung, wollte man einen orthodox-jüdischen Kibbuz, der nur aus polnischen Juden besteht, zwingen, einen völlig unreligiösen, assimilierten deutschen Juden aufzunehmen. Herr Avnery beschmutzt somit völlig wissentlich die wunderbare idealistische Kibbuzbewegung.
Apropos! Wie wäre es, Herr Avnery, wenn Sie sich in einem arabischen Land niederlassen würden, Sie würden dort nicht nur in nächster Umgebung Ihrer von Ihnen so bedauerten Freunde leben, es wäre für Sie und Israel die einzige Chance, doch noch einmal -- auf Ihre Art -- ein Judenfreund zu werden!
Wien THEODOR FRIED
Der erste Auszug aus Avnerys Buch läßt sich etwa so zusammenfassen: Um den Frieden zu erhalten, sah sich Nasser gezwungen, systematisch Kriegshetze zu treiben. In seinem unermüdlichen Trachten nach Entspannung häufte er Provokation auf Provokation, und es war reinste Tragik nach griechischem Muster, daß seine Provokationen als Provokationen verstanden wurden. Schließlich sprach er »so nebenbei« und »routinemäßig« von der Zerstörung Israels, falls es sich wehren wollte, und verbündete sich zu diesem Zweck mit seinem schlimmsten Feind in der arabischen Welt. Es war wohl auch tragisch, daß die Israelis, die das Pokern nicht so gut verstehen wie offenbar ihr Mitbürger Avnery, sich durch diesen Pakt direkt bedroht fühlten, und nicht mehr den nächsten -- also den fünften -- tragischen Irrtum Nassers abwarten wollten.
Montreael (Kanada) ROBERT TREMBLAY
Mit Recht wird vom Autor auf die »rassische Verwandtschaft und die alten Bande zwischen Arabern und dem jüdischen Volk« hingewiesen. Um so unverständlicher ist es, wenn die Tatsache, »Juden seien echte Mitglieder der semitischen Familie« ad absurdum geführt wird: Das Wort »Antisemit« im Sinne eines Gegners der Juden und Freundes der Araber ist somit nicht nur paradox, sondern geeignet, im unkritischen Leser Emotionen und Unobjektivität zu erwecken. Wer mit diesem Begriff argumentiert, verliert an Glaubwürdigkeit und disqualifiziert sich selbst.
Berlin PETER LABORENZ