BRIGITTE SACHS Gute Minne
Wir sind wieder wer.
Ludwig Erhard über die Deutschen.
Nie war des Kanzlers Wort so wahr wie letzte Woche, als des Kanzlers Glanz erlosch. Denn abermals ließ deutsche Manneskraft die morschen Knochen zittern. In Sheffield siegten elf deutsche Kicker, in Las Vegas triumphierte ein deutscher Mann. Der deutschen Knaben Wunderhorn schien allerorten übervoll.
Am Dienstag, dem 12. Juli, wurden die eidgenössischen Tell-Nachfahren überwältigt. Am Donnerstag, dem 14. Juli, am gleichen Tag, an dem ihre Vorfahren die Bastille stürmten, ergab sich vor dem US-Distriktrichter John Mowbray Frankreichs Brigitte Bardot, 31, im roten Mini-Kleid Deutschlands Gunther Sachs, 33, ohne Socken. Seine zweite, ihre dritte Ehe war geschlossen. Ungeachtet aller Szenen im deutsch-französischen Verhältnis machten Sex und Sachs gute Miene zum bösen Spiel.
Drei Jahre ist es her, daß der Fair-Playboy aus Schweinfurt nach durchtanzten Nächten mit der Exkaiserin von Persien die Bundesbürger bitter enttäuschte. Soraya, das Traumschiff der deutschen Seele, blieb unbemannt; das Märchen von Tausend und einem Sachs erfüllte sich nicht. Diesmal aber enterte Sachs und übertraf das in ihn gesetzte Hoffnungs-Soll. BB über Sachs: »Er ist ein wirklicher Märchenprinz, der letzte.« Sachs über BB: »Ich werde alles tun, um dieses herrliche Schiff in den Hafen zu führen, der ihm gebührt.«
Als Teilhaber der Sachs-Gruppe, die ihm ein Jahreseinkommen von rund einer Million beschert, braucht Seemann Sachs Hafen- und Liegegebühren nicht zu fürchten. Im Notfall könnte die jetzt geangelte Sächsin einspringen. Geschätztes BB-Vermögen nach dreißig Filmen ("Und Gott erschuf die Frau"): 20 Millionen Mark.
Sachs, dessen Großvater den Freilauf erfand, ist nach dem Ausfall der Verkehrsopfer Porfirio Rubirosa und Ali Khan Europas letzter Playboy, der seinen Triebwerken freien Lauf lassen kann. Tina Onassis, jetzt Tina Marchioness of Blandford, war eine der wenigen Ski-Partnerinnen des Herzensbrechers Sachs, die nur mit gebrochenem Schienbein davonkam.
In St. Moritz ist Sachs Champion auf dem lebensgefährlichen Cresta Run; in seinem Pariser Appartement an der teuren Avenue Foch läßt er seine Picassos und Utrillos von 30-Watt-Lampen anstrahlen; in Saint-Tropez wirft seine Boutique micmac (Mischmasch) mehr als nur das Benzingeld für seinen Rolls und sein Motorboot »Dracula« ab. In einem Internat im Taunus reift unterdessen der elfjährige Sohn seiner 1958 auf dem Operationstisch gestorbenen ersten Frau heran.
Auch BB (seit 1958 als Markenname gesetzlich geschützt) hat einen Buben aus früherer Ehe. Der Sechsjährige lebt bei seinem Vater, dem Schauspieler Jacques Charrier, der nach dem Regisseur und Bardot-Entdecker Roger Vadim zweiter Ehemann von Frankreichs karpfenschnutigern Sexport in Blond war. Maghrebinier Gregor von Rezzori über BB: »Halb Göttin, halb Tier.«
Wie Marilyn Monroe wurde die Bardot erotisches Symbol der schönen neuen Welt; wie Marilyn Monroe wurde sie es leid, jedermanns Aphrodisiakum zu sein; wie Marilyn Monroe wollte sie mit Pillen Schluß machen - doch ihr Selbstmordversuch mißlang.
Am 24. Juni dieses Jahres saß sie barfüßig mit Gunther Sachs im Restaurant »Le Private« an der Riviera. Die Zigeunerin Debla las dem Deutschen aus der Hand: »Sie werden dieses Jahr unglaubliches Glück haben! Profitieren Sie davon.« Sachs profitierte sogleich im Casino von Monte Carlo. Er setzte nacheinander auf 5, 7, 10 und zweimal auf die 17. Gewinn: 350 000 Mark, und das Glück hielt an. Bald darauf flogen Leichtfuß und Augenpfeffer im Privat -Jet nach Bayern. Im Jagdhaus Rechenau am Hang des Brünnstein, wo sich 1958 Vater Sachs das Leben genommen hatte, wurden sie familiär. Gunther Sachs brannte ihr ein Feuerwerk für 10 000 Mark ab. Auch »durch die Wälder zu streifen und Wild zu beobachten«, kam ihm in den Sinn. Sachs hinterher zum SPIEGEL: »Gut kenne ich Brigitte schon lange, sehr gut kenne ich sie erst seit kurzem.«
Doch der Sachs im Wald ersetzte ihr den Ehemann nicht. Als »Mademoiselle Borda« buchte sie inkognito einen Flug ins Scheidungs- und Hochzeitsparadies Las Vegas. Als Frau eines Deutschen flog Frankreichs Stolz von dort davon.
Ehepaar Sachs: Der deutschen Knaben Wunderhorn