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Briefe

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• aus DER SPIEGEL 24/1963
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Immer wieder war aus den Fragen der SPIEGEL-Vertreter herauszuhören, daß am bestehenden und in der Zukunft noch stärker zu erwartenden Lehrermangel die Lehrer schuld sind. Es seien überspitzte Forderungen, vom Lehrer das Abitur und ein Studium an einer Hochschule zu verlangen. Die Lehrer wollen ja doch nur ihr Prestige erhöhen oder gar die Gleichstellung mit

dem Studienrat erreichen. Schließlich hätte es ja früher Lehrer ohne Abitur und Hochschulstudium gegeben usw., usw. Nun, lieber SPIEGEL, früher wurden unter anderem die Zähne vom »Bader« gezogen, nicht von einem Dentisten oder gar Zahnarzt.

Konstanz CHRISTIAN SCHUMANN

Herr Minister Osterloh sollte die Zivilcourage aufbringen und dafür sorgen, daß die Hälfte der Rüstungsgelder zur Vermeidung des Lehrermangels verbraucht wird.

Bad Wildungen DANIEL SCHARD

Selbstverständlich wird es immer verschiedene Schultypen und Lehrertypen geben, aber die gegenwärtige tiefe Kluft zwischen Volksschullehrer und Studienrat, zwischen Volksschule und Gymnasium ist doch nur ein Überbleibsel der Klassengesellschaft des vorigen Jahrhunderts und sachlich in keiner Weise gerechtfertigt.

Helmstedt ERNST LERCHE

Neben den verdienstvollen Darlegungen des Ettlinger Kreises dürfen wir Sie vielleicht zu Ihrer Information auch hinweisen auf das von Pröbsting-Pröbsting vorgelegte Zahlenmaterial und die umfangreichen Forschungen Professor Eddings. »Die Forderungen der Zukunft«, so heißt es in der Einleitung zu einer der letzten Veröffentlichungen Eddings, »sind aber so gewaltig und der Rückstand in der Bundesrepublik ist so groß, daß einer optimalen Bildungsinvestition jede Aufmerksamkeit geschenkt werden muß.«

Diese Publikation erschien unter dem programmatischen Titel »Von der Verzinsung des Bildungsaufwands«. Demgegenüber erscheint Ihre Bemerkung, daß es doch »jahrzehntelang in Deutschland Lehrer ohne Abitur und Hochschulstudium« gegeben habe, reichlich hinterwäldlerisch.

Hamburg GESELLSCHAFT DER FREUNDE

DES VATERLÄNDISCHEN SCHULWESENS

Es gibt Berufe, die mehr oder weniger für beide Geschlechter geeignet sind, und es gibt Berufe, die ausgesprochen als männliche oder weibliche zu bezeichnen sind. Zu den letzteren gehört ohne jeden Zweifel die Betreuung und Erziehung von Kleinkindern. Niemand wird bezweifeln, daß eine natürliche gesunde junge Mutter »pädagogisch-menschlich«, wie der Herr Minister sagt, in der Praxis ihrem Kleinkind besser gerecht wird als der gelehrteste Pädagoge (womit aber durchaus nichts gegen die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet gesagt sein soll).

Die Schlußfolgerung besteht also darin, die ersten vier Schuljahre grundsätzlich in die Hand von Junglehrerinnen zu legen, die ohne Abitur nur für diese Aufgabe geschult werden. Für die höheren Schulklassen sollte natürlich die bisherige Besetzung mit voll ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen beibehalten werden, und den geeigneten Junglehrerinnen sollte nach Bewährung Gelegenheit gegeben werden, ihre Vollausbildung zum Lehrer nachzuholen.

Kitzeberg (Holstein) WERNER FUCHS

Die Beschäftigung von »Hilfskräften« hält Herr Osterloh für unbedenklich; sie wird ja auf reinen ganz geringen Umfang« beschränkt. Pastoren sind auch knapp. Wie wär's mit einer »Hilfskraft« auf der Kanzel Ihrer Kirche, Herr Osterloh? Oder mit einer »Hilfskraft« am Gymnasium Ihrer Kinder? Oder einer »Hilfskraft« in Ihrem Krankenhaus? Da sieht man, in welche Ecke der kulturellen Rumpelkammer die Schule des Volkes gestellt wird.

Bremen REINHOLD SCHMIDT

Wer will da noch Lehrer werden, wenn die Schule nicht mehr eine Stätte des Lehrens und Lernens, sondern viel eher das Experimentierfeld pädagogischer Falschmünzer ist. Die Vielzahl der Methodiken und deren Verabsolutierung durch ihre Vertreter eliminiert zuweilen völlig das erzieherische Anliegen.

Göttingen HORST BÜCHNER

Unter diesen Umständen kann man die männlichen Abiturienten vor einem PH-»Studium« nur warnen. Sie sollten lieber sofort die Inspektorenlaufbahn einschlagen, da ein Volksschullehrer beamtenrechtlich auch nur ein Oberinspektor ist. Sollte ein männlicher Abiturient dennoch pädagogische Neigungen haben, so steht ihm als Inspektor immer noch der pädagogische Volkssturm offen.

Berlin WERNER KLETZING

stud. paed.

Herr Osterloh bleibt in der Tradition verwurzelt, und sein politisches Zweckdenken ist im wesentlichen von der Gegenwart bestimmt. Er bleibt bei den verschiedenen Schul- und Lehrertypen. Wir glauben, daß die Schule der Zukunft anders aussehen muß. Einheitlich in ihrem Stamm, differenziert in ihren Ästen, um so weit wie möglich allen Begabungen Rechnung zu tragen, sie zu fördern und zu entwickeln. Grundsätzliches Studium aller Lehrer gemeinsam in Pädagogik und Psychologie mit besonderem Fachstudium für die Fachlehrer (Oberschule - besser Oberstufe). Die Titel als Überbleibsel ständischen Denkens (Kästchendenken) können sich die Herren Politiker gegenseitig verleihen.

Greene (Nieders.) WOLFGANG BUSCH

Wir haben eben immer noch nicht begriffen - und wollen es auch wohl nicht einsehen -, daß die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nicht militärisch ausgefochten werden wird, sondern in Klassenzimmern und Auditorien stattfindet. Doch diesen Kampf muß der Westen tatsächlich mehr fürchten, als den militärischen Gegner.

Göttingen JÖRG SCHLEIMERKEMPER

Titel und Orden wenig gefragt! Besoldungsfrage sehr wichtig.

Berlin MANFRED BRUCHHOLD

Wenn an Pädagogischen Hochschulen Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Erziehung betrieben werden sollen, würden Sie dann erwarten, daß Lehrer -Studenten so genial sind und in sechs Semestern ein Mindestpensum bewältigen, das in Forschung und Lehre auf den Gebieten der Medizin, Volkswirtschaft, Publikation, des Rechtswesens usw. den Studenten nach frühestens acht Semestern zugemutet wird? Woher muß sich Ihrer Meinung nach der wissenschaftliche Nachwuchs für Pädagogische Hochschulen rekrutieren, wenn die Verbindung von Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit gewahrt bleiben soll? Für welche Berufe ist es in unserer Gesellschaft üblich, höhere Leistungen zu fordern, ohne entsprechende

- pauschal formuliert - materielle Anreize zu bieten? Ist die Bundesrepublik für den Lehrer eine DDR?

Berlin STUDENTENVERTRETUNG DER

PÄDAGOGISCHEN HOCHSCHULE BERLIN

Ihre Redakteure Harenberg und Asmus scheinen eine Ausbildung von Volks- und Mittelschullehrern an Universitäten für indiskutabel zu halten und sind sich in diesem Punkt mit Herrn Minister Osterloh einig. Wenn Sie jedoch das Schaubild auf Seite 45 betrachten, werden Sie feststellen, daß in Hamburg und Berlin der Lehrermangel am geringsten bzw. überhaupt nicht vorhanden ist. In Hamburg ist die Universitätsausbildung obligatorisch. Länder, deren Anforderungen niedriger liegen, haben weit größere Fehlbestände.

Hamburg EGON SOLTWEDEL

Den Lehrermangel zu beheben, ist einfach. Der Staat zahle seine Volksschullehrer wie seine unteren Offiziere, ich setze den Leutnant an den Anfang und den Major ans Ende, und man wird sehen, daß man Lehrer genug findet.

Landau (Pfalz) HEINRICH HOFFMANN

In Ihrem Gespräch erwähnten Sie die Forderungen mancher Lehrerfunktionäre, das Studium des Volksschullehrers zu verlängern. Hier sahen Sie sofort eine Gelegenheit für Ihren Zeichner, darüber ebenfalls seine Meinung kundzutun ("Des deutschen Lehrers Titelweh"). Über die zwei Dimensioner seines Papiers kam er allerdings - und ich: vermute, daß er nicht allein ist - mit diesem Problem nicht hinaus. So simpel kann man diese Forderungen wieder nicht abtun. Damit steller

Sie die widersprüchliche These auf daß Menschen, die ihren Beruf frei wählten, an diesem kein Interesse haben und sich über dessen Zukunft keine Sorgen machen, somit nur nach Titeln jagen.

Lauchheim (Bad.-Württ.) HERBERT UHL

Hauptlehrer z. A.

Wenn schon Augstein sich für seinen Bibel-Sermon entschuldigte, wie tief

müssen dann die beiden Redakteure Ihres Osterloh-Gesprächs vor dem SPIEGEL-Leser in die Knie sinken? Bis jetzt sah ich es immer als Aufgabe eines Interviews an, einer Sache auf den Grund zu gehen. In diesem Falle genügte es anscheinend, ein paar Behauptungen zusammenhanglos in die Welt zu setzen.

Oberkochen (Bad.-Württ.) GUSTAV FRANZ

Die Lösung der Nachwuchskrise im Lehrerberuf und damit auch des horrenden Mangels an Lehrern ist im Gegensatz zu Ihrer Darstellung ganz einfach: 1. Man entkleide Ausbildung und Berufsarbeit des Lehrers der konfessionellen Bindung. 2. Man verdopple das Gehalt der als Lehrer tätigen Familienväter!

Hohenlimburg (Westf.) GÜNTHER GUNKEL

Wo käme man hin, wenn das Fußvolk »aus der Unmündigkeit, sich seines Verstandes ohne Leitung zu bedienen« (Kant), durch hervorragend gebildete Lehrer befreit würde?

Germersheim (Pfalz) J. HOFFMANN

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