HALBER HABE - DER SPIEGEL
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Briefe

HALBER HABE
• aus DER SPIEGEL 32/1957
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

HALBER HABE

Sie nennen mich in Ihrem Artikel über die siebzehnjährige französische Autorin Berthe Grimault einen »Illustrierten-Autor«. Ich bin - mit Vergnügen und nicht ohne Erfolg - auch ein »Illustrierten-Autor«. So wenig wie Graham Greene und Evelyn Waugh - ebenfalls »Illustrierten-Autoren« - protestiere ich gegen die Bezeichnung. Sie unterschlagen Ihren Lesern jedoch, daß der von Ihnen zitierte Artikel nicht in einer Illustrierten, daß er vielmehr in einem Dutzend führender deutscher Tageszeitungen erschienen ist. Sie unterschlagen Ihren Lesern ferner, daß ich zu den fünf oder sechs im Ausland meistgelesenen deutschen Romanciers gehöre. Mein von Kurt Desch, München, publizierter Roman »Off Limits« erschien, beispielsweise, bisher im »Forum-Verlag«, Stockholm; »Presses de la Cité«, Paris; Mecklenburg & Co., Tokio; Frederie Fell, New York; George Harrap,London; »Gyldndal«, Kopenhagen; »Zuid-Hollandsche Uttgevers Maatschappij«, Den Haag, - vier weitere Ausgaben folgen. Für einen »Illustrierten-Autor«, einen noch dazu, den der SPIEGEL so ganz und gar »totgemacht« (44/1954) hat, eine ganz beachtliche literarische Lebendigkeit.

Indessen wären diese Feststellungen bedeutungslos, böte Ihre schnippische Bemerkung keinen Beitrag zur Charaktergeschichte Ihres Zerrspiegels. »Illustrierten-Autor": das ist an sich keine Lüge, es ist nur eine Halb-Wahrheit. Mathematik, Spekulation und Geheimnis des SPIEGEL: Die Hälfte der Wahrheit ist auch Wahrheit. In Wirklichkeit ist die Hälfte der Wahrheit eine ganze Lüge. Die Zeit wird kommen, in der es das deutsche Publikum entdeckt.

Ich nehme mit Sicherheit an, daß Sie die Hälfte dieses Briefes veröffentlichen werden.

St. Wolfgang am See HANS HABE Ungekürzt. - Red.

Hans Habe

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