Hammerhart
Oft genug arbeiten die prächtigsten Helden des TV-Mediums im Verborgenen, nur einem verschworenen Fan-Kreis bekannt und vom gemeinen Fernsehnutzer schnöde ignoriert. Werner Kastor zum Beispiel wirkt seit sieben Jahren bei Eurosport und ist ein Titan, sagen wir ruhig: der Werner Hansch des Boxsport-Journalismus. Den Sat-1-Fußballreporter Hansch machten sein Ruhrpott-Genäsel und die kindliche Freude am platten Jux zum Kult-Helden, bei Werner Kastor sind es die raue Stimme und der Mut zum markigen Wort. Im Ring, so lernt der Eurosport-Gucker von ihm, zählen allein der »Punch« und der »Hammer«. Zum Teufel mit kämpferischer Eleganz und dem kleinlichen Abzählen von regelgerechten Treffern: Derlei Finessen sind Kastor ein Gräuel, bei ihm »zermanschen« sich zwei Boxer die Gesichter, und echte Freude kommt auf, wenn einer »wackelt«, wenn er den Ringboden sucht. Wehe dem Ringrichter, der einen aussichtslosen Kampf vorschnell abbricht - Mitleid, so doziert Meister Kastor, ist im Ring fehl am Platz. Wer »zu faul« war, das heißt, untertrainiert und übergewichtig ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn er »schön eines auf die Gusche« kriegt. Wo Weicheier wie der sensible Boxfreund und Gelegenheitskommentator Werner Schneyder womöglich von Unfairness reden würden oder vom Tod des Sports, da jubelt Kastor: »Knackig!« Und wenn »ein klasse Aufwärtshaken« einen hoffnungslos unterlegenen Schwergewichtler nach einer halben Minute vom Boden abheben und in die Ecke fliegen lässt, hofft der Kämpfertyp Kastor, dass ein Ringrichter »mit Augenmaß« den Benommenen weiterboxen lässt. Politisch korrekte Softies mögen lästern, hier verhülle die harte Schale einen weichen Keks; in Wahrheit spricht Kastor dem echten Box-Freund aus der Seele: Immer feste druff!