Hariche Gebote
(Nr. 17/1975, Bücher: Wolfgang Harich über Fritz J. Raddatz »Karl Marx, Eine politische Biographie")
Warm ans Herz legen sollte der SPIEGEL Wolfgang Harich die »Zehn Gebote für Rezensenten und solche, die es werden wollen« (Theologische Blätter, Jg. 1929, Nr. 1). Auch wenn diese Gebote nur für die Mitarbeiter eines wissenschaftlichen Fachblattes vor nahezu 50 Jahren bestimmt waren, so haben sie doch heute noch Gültigkeit für das Rezensionswesen überhaupt. Für künftige Renzensionen sind Harich besonders die Gebote 1, IV, VIII, IX und X zu empfehlen:
* Es gibt auch eine Ethik des Rezensierens.
* Du sollst Deinen Gegner nicht vernichten. Auch für die Kritiker gilt: Du sollst nicht töten.
Das 8. Gebot des Dekalogs ist auch für Dich geschrieben, und die Lutherdeutung: »sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren« verpflichtet Dich.
* Suche nicht Dein Lob und auch nicht Deine Gelehrsamkeit im Buche des Andern. Auch gelehrtes Eigenlob stinkt. Suche zu lernen.
Ein spöttelnder Rezensent gleicht dem Professor, der auf dem Katheder über einen Kollegen witzelt. Sie haben beide den Beifall des Auditoriums hinter sich, aber den Zorn Gottes über sich; denn sie verspottet den Wehrlosen. der sich nicht verteidigen kann. Meerbusch (Nrdrh.-Westf.)
PROF. DR. JULIUS H. SCHOEPS