GENTECHNIK Hase und Igel
Einen skurrilen Wettstreit um die öffentliche Meinung in Sachen Gen-Food liefern sich derzeit der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), ein Ableger des Verbandes der Chemischen Industrie. Um vor der schleichenden gentechnischen Kontamination von Lebensmitteln zu warnen, tourt der BUND seit Wochen mit mehreren acht Meter hohen Maiskolben-Attrappen durch die Lande; bis zur Bundestagswahl am 22. September wollen die Umweltschützer 50 deutsche Städte ansteuern. Die DIB, die gerade mit großem medialem Aufwand die Pro-Biotech-Initiative »Generation 21« mitlanciert hat, bleibt derweil nicht untätig: Sie hat Studenten als Gegendemonstranten engagiert, die bei den Veranstaltungen der Gen-Gegner vom BUND Flugblätter ("Wahlfreiheit braucht Information statt Angstkampagnen") verteilen. Für das Hase-und-Igel-Spiel zahlt die DIB den Faltblatt-Verteilern Bares, der Satz orientiert sich am üblichen Honorar eines Hiwis an der Uni. Als DIB-Ansprechpartner firmiert ausgerechnet der Gentechnikexperte Jens Katzek, der bis 1998 auf der anderen Seite stand - als Mitorganisator von Kampagnen gegen gentechnische Manipulationen an Nahrungsmitteln beim BUND.