BÜCHER Haus des Teufels
Ein Roman, ein Krimi, eine Biografie: Der französische Star-Intellektuelle Bernard-Henri Lévy ist in die Fußstapfen des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl getreten, der am 23. Januar 2002 im pakistanischen Karatschi von einer Bande islamistischer Fanatiker entführt und eine Woche später auf entsetzliche Weise enthauptet wurde. Lévys Recherchen dauerten ein Jahr. Das Ergebnis der ebenso spannenden wie gefährlichen Untersuchung, in Frankreich ein Bestseller mit 200 000 verkauften Exemplaren, liegt nun auch auf Deutsch vor. Lévy, 54, wollte dieselben Schritte tun wie Pearl, »beobachten wie er, möglichst denken und fühlen wie er - bis zum bitteren Ende«, das die Entführer und Mörder in grauenvollen Bildern auf Video festhielten. Der Franzose war dem Amerikaner nie begegnet. Aber er spürte in Pearl einen Geistesverwandten, einen liberalen Juden, der sich gegen den Kampf der Kulturen sträubte und an einen anderen Islam, gekennzeichnet von Toleranz, Mäßigung und Sanftheit, glauben wollte. Bei seiner Ankunft in Karatschi fragte der Taxifahrer als Erstes: »Was ist deine Religion?« Eine Frage, auf die er nicht gefasst war, die ihn erschreckte. Pearl hatte als seine letzten Worte auf dem Videoband der Entführer sagen müssen: »Mein Vater ist Jude, meine Mutter ist Jüdin, ich bin Jude ...« Das rechtfertigte das Todesurteil. »Atheist«, antwortete Lévy schließlich, »meine Religion ist der Atheismus.« Am Ende seiner Reise in die Welt der Besessenen gelangt Lévy zu dem Schluss, dass George W. Bush einem »einzigartigen historischen Fehlkalkül« unterlag. Denn nicht der Irak des Tyrannen Saddam ist für den Autor das Herz der Finsternis, sondern das mit den USA verbündete Pakistan mit seinen Elendsvierteln und Koranschulen, seinen islamischen Netzwerken, seinem Geheimdienst und seiner Atombombe - ein Land, das sich »vor meinen Augen zum Haus des Teufels« wandelte.
Bernard-Henri Lévy: »Wer hat Daniel Pearl ermordet?« Aus demFranzösischen von Anja Nattefort, Olaf Roth und Ulrike Thiesmeyer.Econ Verlag, München; 432 Seiten; 24 Euro.