Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG 2006
DIE KONFLIKTE zwischen Islam und westlicher Welt sind, notgedrungen, dominierende Themen der Jahres-Chronik 2006. Anfang des Jahres kommt es weltweit zu Unruhen, nachdem in einer dänischen Zeitung Mohammed-Karikaturen erschienen waren. Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter sucht in einem Essay nach den Gründen für den Aufruhr (Seite 36). Vor den Gefahren islamischer »Parallelgesellschaften« in deutschen Großstädten warnt der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber (Seite 60). Der heilige Zorn der Muslime trifft sogar den Heiligen Vater, der in einer Rede ein abträgliches mittelalterliches Urteil über den Propheten zitiert hatte (Seite 186). Wie das Gift terroristischer Bedrohung in den deutschen Alltag einsickert, zeigt das Beispiel der Deutschen Oper Berlin, die aus Sicherheitsgründen eine Inszenierung der Mozart-Oper »Idomeneo« absetzt (Seite 198).
DER REIGEN kultureller Attraktionen beginnt im Januar mit Mozarts 250. Geburtstag, der weltweit gebührend gefeiert wird. Im SPIEGEL-Gespräch erklärt Cecilia Bartoli, stürmisch umjubelte Opern- und Konzertsängerin, welche Rolle Mozart in ihrer fulminanten Karriere spielt und was die italienische Belcanto-Kultur dem Himmelsmusiker verdankt (Seite 12). Im Deutschen Historischen Museum im Berliner Zeughaus wird eine großformatige Ausstellung über »Zwei Jahrtausende deutscher Geschichte« eröffnet, die der Historiker Hans-Ulrich Wehler inspiziert hat und als »erquicklich nüchterne« Schau einstuft (Seite 136). Zum 400. Geburtstag Rembrandts spekuliert der niederländische Rembrandt-Experte Rudi Fuchs, was aus dem Genever-süchtigen Bonvivant und »Nachtwache«-Genie wohl heute geworden wäre: »Er hätte brutale Hollywood-Filme gemacht« (Seite 154). Eine weitere Schatzkammer mit historischen Kostbarkeiten schmückt seit Oktober die Berliner Museumsinsel - das Bode-Museum, für 160 Millionen Euro renoviert, prunkt mit einer einzigartigen Sammlung von Skulpturen und byzantinischer Kunst (Seite 212).
ALS RAUSCHENDE PARTY bleibt die Fußball-Weltmeisterschaft in Erinnerung. Die WM wird zu einem unbeschwert-fröhlichen Volksfest, das die gastgebenden Deutschen vermutlich ebenso verblüfft wie den Rest der Welt, selbst die Niederländer waren begeistert, schreibt SPIEGEL-Autor Jürgen Leinemann in seiner Laudatio auf eine »nationale Love Parade« und die geglückte Selbstfindung der Deutschen (Seite 126). Die deutlich kargere sportliche WM-Ausbeute nimmt Bayern-München-Trainer Felix Magath aufs Korn: Schiedsrichter pfiffen kleinlich, Favoriten versagten. Der schwungvolle deutsche Angriffsfußball dagegen hat ihm gefallen (Seite 120).
Dem Sommertrubel folgt herbstliche Melancholie, zumindest in der millionenstarken Formel-1-Gemeinde: Michael Schumacher, erfolgreichster Rennfahrer aller Zeiten, siebenmaliger Weltmeister, beendet seine triumphale Karriere. Dass der Kerpener auch mal klein angefangen hat, gibt der Ex-Rennfahrer Jochen Mass zu Protokoll. Er hatte den jungen Schumi wie ein »zweiter Vater« für die Boliden fit gemacht (Seite 222). Einen ganz persönlichen Rückblick auf 2006 schreibt die Schriftstellerin Katharina Hacker, Autorin des Herbst-Bestsellers »Die Habenichtse« (Seite 260).