HAUSMITTEILUNG 2010 - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG 2010

• aus SPIEGEL Chronik 54/2010
Glüsing
Glüsing

Glüsing

Foto: RODRIGO GOMEZ ROVIRA
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Südamerika ist reich an bunten Schauplätzen, aber einen so bizarren Einsatzort wie das »Camp der Hoffnung« hatte SPIEGEL-Korrespondent Jens Glüsing noch nicht erlebt. Clowns, Entertainer, Musiker, Fernsehstars, Politiker, Touristen und mehr als 1500 Journalisten aus aller Welt drängten sich in der Lagerstadt mitten in der chilenischen Atacamawüste. Es gab Fischbrötchen, Bier und Coca-Cola. Die Stunden, in denen die mehr als zwei Monate lang verschütteten 33 Bergleute dann, unter Teilnahme der Weltöffentlichkeit, endlich aus der Unglücksmine San José an die Oberfläche gezogen wurden, waren wohl die emotionalsten Momente des Jahres (Seite 176).

Der 30. Juni 2010 wird als einer der spannendsten Tage in die politische Nachkriegsgeschichte eingehen. Erst nach mehr als neun Stunden und im dritten Wahlgang war es der schwarz-gelben Koalition gelungen, Christian Wulff in der Bundesversammlung zum zehnten Bundespräsidenten zu küren. Einen »politischen Thriller der Extraklasse« wird SPIEGEL-Redakteur Christoph Schwennicke in Erinnerung behalten, der das Drama im Berliner Reichstag verfolgte. Da war die Genugtuung von SPD und Grünen, die mit ihrem Kandidaten Joachim Gauck Union und FDP zweimal vorführten. Dazu der Triumph von Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine, der die Schlüsselfigur in einem knallharten Machtspiel sein durfte. Und schließlich die Erleichterung auf Seiten der Koalition nach dem mühsam erworbenen Sieg. »Selten erlebt man die Mechanismen von Macht und Ohnmacht so auf offener Bühne«, so Schwennicke (Seite 114).

Karikaturen, Fotomontagen, Schüttelreime - im Zuge der Proteste gegen das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 hat sich der Bauzaun am Stuttgarter Hauptbahnhof zu einer bundesweit einmaligen Open-Air-Kunststätte entwickelt. »Die Schwaben haben ihrer Wut auf höchst kreative Weise Luft gemacht«, sagt SPIEGEL-Redakteurin Simone Kaiser, die das Jahr über die anschwellenden Proteste beobachtet hat. »Die Kundgebungen und Protestmärsche richten sich nicht nur gegen das Bahnprojekt, sie zeigen einen grundsätzlichen Verlust des Vertrauens der Bürger in die Politiker und deren Entscheidungen« (Seite 142).

Plötzlich war sie da: Lena Meyer-Landrut. Keiner kannte die junge Frau, bis sie sich im Wettbewerb um die deutsche Teilnahme am European Song Contest in die Schlussrunde sang - und siegte. Eine 17-jährige Abiturientin, die unbekümmert, fröhlich und mit zelebrierter Naivität auf der Bühne stand. Als sie dann auch noch mit ihrem Song »Satellite« den Grand Prix in Oslo gewann, stand Deutschland kopf. Was hatte sie, das so besonders war? »Lena war sie selbst«, sagt der Musiker Marius Müller- Westernhagen im Interview mit SPIEGEL-Redakteur Hans-Ulrich Stoldt, »und man merkte genau, sie wollte auch niemand anderes sein« (Seite 88).

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