VEREINE / HEIMATTREUE JUGEND Heil Dir
Fackeln flackerten, Flaggen flatterten. Unter deutschen Eichen, Messer am Koppel, scharten sich um Mitternacht Jungmänner zum Thing.
»Ich verspreche bei meiner Ehre«, gelobten sie im Chor, »stets die Gemeinschaft vor mein eigenes Ich zu stellen.« Dann bekräftigten sie den Schwur ("So wahr ich ein Deutscher bin") und stimmten altvertraute Weisen an: »Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu.«
Die Getreuen, die am vorletzten Wochenende in einem Wald bei Aachen ihre Reihen fester schlossen, waren Mitglieder des rechtsradikalen »Bundes Heimattreuer Jugend« (BHJ). Vor der »Versprechensfeier« hatte das Jungvolk (Gruß: »Heil dir!") im Aachener Gasthof »Jägersruh« unter Fahnen mit dem BHJ-Symbol, der Odal-Rune*, seinen »Bundesjugendtag 1968« ("Nur für Mitglieder!") zelebriert.
72 Delegierte, die laut Verfassungsschutz rund 200, nach eigenen Angaben aber etwa tausend »Gefährten« (BHJ-Jargon) vertraten, hielten Rückblick auf ein Jahr »stetiger Aufwärtsentwicklung« -- so BHJ-»Bundesführer« Fritz Burger, 24, ein Bahnbediensteter aus Garmisch-Partenkirchen.
Die in »Standorten« mit den Schwerpunkten Celle, Emden, Zweibrücken und Hamburg organisierten BHJler sind auf »saubere Jugendarbeit« (Burger) bedacht. Per Inserat in der »Deutschen National-Zeitung« riefen sie »ganze Kerle« auf, einem BHJ"Hilfskorps Arabien« beizutreten, das nach dem Israel-Krieg in arabischen Ländern »durch harten persönlichen Einsatz« der »Wahrnehmung berechtigter Interessen« dienen sollte. BHJ-
* Germanisches Symbol für Familienbesitz.
Führer Burger, nach dem Schicksal der Legion befragt: »Keine Auskunft.«
Im Juni besuchten BHJler den »Klosterhof« des NS-Dichters Hans Grimm ("Volk ohne Raum") in Lippoldsberg an der Weser. Die Sommersonnenwende feierten sie im Teutoburger Wald, wo Hermann der Cherusker die frech gewordenen Römer besiegt hatte. Jüngst, zum Erntedankfest, gedachten sie des Germanen-Gottes Wodan, Und am Volkstrauertag wollen sie auf dem Friedhof der Waffen-SS in Vahrendorf (bei Hamburg) Kränze niederlegen. Schleifentext: »Euer Opfer war nicht umsonst, Ihr lebt in uns.
Ins Ausland fahren »die Heimattreuen ungern -- außer nach Österreich (BHJ-Vokabel: »Deutsche Ostmark")« zum »stammesverwandten Flamenvolk« nach Belgien, wo sie im Sommer die Soldatengräber von Langemarck besuchten, oder nach Südtirol, wo Mitglieder ihrer Vorgänger-Organisation, des 1962 von Innenministern verbotenen »Bundes Vaterländischer Jugend« (BVJ), in Bomben-Affären verwickelt waren und 1964 BHJler wegen »Waffenbesitzes« und »Tragens paramilitärischer Uniformen« von Karabinieri festgenommen worden waren.
BHJ-Führer Burger, früher Mitglied bei den Bumser-Buben des. BVJ, behauptet, sein neuer Verein habe mit Bomben nichts zu tun. »Mitglieder des BHJ e. V.«, beteuerte er im September in einem Pressedienst seines Verbandes, »sind nicht an Sprengstoffanschlägen beteiligt«, und die vielen Südtirol-Fahrten dienten »ausschließlich dem Studium des Volkstums«.
Ihre volkstümlichen Ziele streben die BUJler gemeinsam mit der »Deutschen Gesellschaft für Erbgesundheitspflege« an, die im BHJ-Hausblatt »Der neue Aufbruch« für Vorträge ("Rasant verlöschendes Erbgut") wirbt, und mit einem »Deutschen Block«, der in BHJ-Publikationen darauf hinweist, »daß Landesverräter und Spione, deren Hände mit dem Blut eigener Landsleute besudelt sind, nicht das Recht haben, heute in Deutschland frech an die Öffentlichkeit zu treten oder gar noch als Parteiführer und Volksvertreter eine Rolle zu spielen«,
Und auch mit Rechtschaffenen aus der »Deutschen Jugend des Ostens« (DJO) und aus der NPD arbeiten die Heimattreuen gern zusammen: An der tschechischen Grenze stellten Mitglieder dieser drei Organisationen jüngst gemeinsam Schilder auf: »Hier beginnt die Tschechische Besatzungszone Deutschlands -- Sudetenland, deutsches Land.« Dann stimmten sie eine selbstgetextete vierte Strophe des Deutschlandliedes an:« Deutschland. Deutschland, über alles, und das Reich wird neu erstehen«.
Um die Neuerstehung voranzutreiben, verbreitete der BHJ im Sommer Zehntausende von Aufrufen zum »Kampf gegen alle Verzichtspolitiker«. Die Empfänger wurden aufgefordert, ihre Unterschrift unter eine vorgedruckte Erklärung zu setzen: »Ich beabsichtige, in den deutschen Ostgebieten zu wohnen oder an den Aufbauarbeiten aktiv teilzunehmen, wenn unser Land jenseits von Oder und Neiße sowie das Sudetenland wieder von fremder Verwaltung frei sind.«
Ost-Berlins »Neues Deutschland« nahm die rechte Sekte ernst: »In ähnlicher Weise hatten auch die Nazis eine Stoßarmee zur Besiedlung für den eroberten »Warthegau« geworben.«
Doch Nahziel der Wodansjünger ist nicht die Bekämpfung jener »undeutschen Teufelsherrschaft« im Osten, sondern der Widerstand gegen die »linksintellektuellen Zersetzer« im Westen. »Es waren BHJler«, meldet der BHJ, »die in den vordersten Reihen marschierten, um den linksradikalen Kommunardenterror zu brechen.«
Ideelle Unterstützung ist dem Bündchen unlängst von einem rechten Barden zuteil geworden: Der Schriftsteller Bernt von Heiseler, Träger des Adenauer-Preises der »Deutschland-Stiftung«, hat zum Aachener Treffen der heimattreuen Jugend eins gedichtet. Schlußzeile: »Es nachtet. Unsere Fackel brennt.«