TAIWAN Heimlicher Atom-Deal?
Trotz aller politischen Verstimmungen zwischen dem Festland und Taipeh verhandeln beide Seiten derzeit diskret über ein brisantes Thema: die Abnahme von Atommüll aus den drei Reaktorstandorten der Insel. Die Taiwaner müssen die Entsorgungsprobleme ihrer Kernkraftwerke so schnell wie möglich lösen: Sie haben für den Abfall keinen Platz mehr. Das Lager für leicht radioaktiven Atommüll auf der Pazifikinsel Lanyu zum Beispiel ist bereits seit 1996 randvoll. Die Inselbewohner - hauptsächlich Angehörige der Tao-Minderheit - verlangen von der Regierung immer heftiger den Abtransport der 97 000 Fässer, weil die Krebsrate unter der Bevölkerung steige. Derzeit prüfen Experten, ob sich die nahezu unbewohnte Insel Wuchiu in der Taiwan-Straße als neues Lager eignet. Intern geben Beamte der Taiwan Power Company allerdings zu, dass eine Deponie auf Wuchiu kaum durchsetzbar ist, wenn Taipeh die Beziehungen zu Peking nicht verschlechtern will: Ein Lager in einer möglichen militärischen Konfliktzone nur wenige Kilometer vom Ufer entfernt wäre für die Volksrepublik nicht akzeptabel. Mit Nordkorea sollen die Taiwaner über die Abnahme des Atommülls schon vor einiger Zeit handelseinig geworden sein, doch Pjöngjang sei inzwischen wieder abgesprungen, berichten Fachleute. Nun scheinen die Verhandlungen zwischen Peking und Taipeh womöglich zu einem Abkommen zu führen: Das Nuklearmaterial könnte in der muslimischen Autonomen Region Xinjiang deponiert werden - dort testete Peking bis 1996 seine Atombomben.