HELLSEHER
(Nr. 8/1954, Telepathie)
Als Leiter des DRK-Suchdienstes Niedersachsen begrüße ich es, daß Sie gegen das Unwesen der Zukunftsdeuterei angehen, wie Sie es in Ihrem Artikel »Hanussen II« - Der alte Käsetrick« getan haben. Seit Jahren beschäftige ich mich mit der Aufklärung solcher Hellseher und Telepathen, und noch keiner hat einem Versuch wirklichen Hellsehens standgehalten, worüber DER SPIEGEL in seiner Nummer 41/1951 ("Hellsehen - jedes Wort wahr") ja bereits einmal berichtet hat. Bei Hanussen II ist es nicht anders, ich habe ihn kennengelernt.
Hanussen arbeitet nur mit Tricks. Dabei geben solche Leute noch Privatsprechstunden, die sehr viel Geld einbringen und sich vom Finanzamt kaum kontrollieren lassen. Besonders wenn sie sich zusätzlich mit dem Vermißtenproblem beschäftigen, wie es auch Hanussen II macht. Es ist doch völlig unverantwortlich, so die Not der Mitmenschen auszunützen. Ich erlebe es beim Suchdienst immer wieder, wie die enttäuschten Menschen dann niedergeschlagen sind oder die sorgende Mutter um ihren inneren Frieden gebracht wird ... Warum schafft man nicht im Bundesgebiet ein Verbot für solch unverantwortliches Treiben? Das wäre doch auch eine Aufgabe für das neue Familienministerium, gegen solche Hellseher und andere Zukunftsdeuter anzugehen, da sie schon viel Unheil in den Familien anrichteten, genau so wie die Horoskope.
Hannover
Friedrich Stutz