Hellsichtig bloßgestellt - DER SPIEGEL
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Briefe

Hellsichtig bloßgestellt
• aus DER SPIEGEL 35/2001
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Hellsichtig bloßgestellt

Nr. 33/2001, Öffentlichkeit: Martin Walser im Selbstgespräch über Interviews und Meinungsmacher

Martin Walser kann es sich leisten: Er zeigt die Zähne, und das ist gut so. Sein selbst verfasstes Interview ist reinstes Lesevergnügen, voller sprachlicher Brillanz und messerscharfer Argumentation.

BRAUNSCHWEIG MICHAEL JUNGA

Martin Walser klagt wider seinen - fiktiven - Interviewer vom Stern: »Aber - und das ist es überhaupt - Sie sind nichts als negativ auf mich losgegangen.« Ein nicht ganz unbedeutender Kollege Walsers, der der Verbrennung seiner eigenen Bücher während der Nazi-Barbarei zusehen musste, stellte sich diesem Problem wohl aller Intellektuellen in ganz anderer Weise. Zeugnis davon legte er in einem berühmt gewordenen Gedicht ab, wenige Jahre vor dem Autodafé, und Walser wird es kennen. Die erste Strophe geht so: »Und immer wieder schickt ihr mir Briefe / in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt: / ,Herr Kästner, wo bleibt das Positive?' / Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.«

ÖHNINGEN (BAD.-WÜRTT.) DR. UDO VON WICHT

Zu dem Artikel von Martin Walser fällt mir nur ein Kommentar ein: »Einfach genial!« Wohl noch nie zuvor hat jemand die Selbstreferentialität des Systems »Medien« so hellsichtig beschrieben und bloßgestellt.

RUPPICHTEROTH (NRDRH.-WESTF.) DR. MICHAEL MADEL

Es ist befremdend, wenn nicht sogar ärgerlich, dass ein kritischer Intellektueller Phrasen und Polemik nur Gleiches, unbestimmte Begriffe, entgegenzusetzen hat. Die alte Forderung der Klarheit und Deutlichkeit ist Herrn Walser in seiner Praxis offensichtlich nicht geläufig. Er und sein vorgetragenes Schauspiel sind bedauernswert.

RAUENBERG (BAD.-WÜRTT.) CHRISTIAN MÜLLER

Einfach grandios dieser Walser, und das in diesem Staat, in dem man nichts ansprechen darf, sei es auch noch so richtig und wichtig, ohne von den so genannten Gutmenschen gleich in die eine oder andere Ecke zwangsverfrachtet zu werden.

BERLIN GERHARD BUSSWEG

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