PERSONALIEN Helmut Kohl
Helmut Kohl, 53, Bundeskanzler und neuerdings Träger des rheinland-pfälzischen Verdienstordens, hatte vor der Ehrung in Mainz Zeit, an den Stätten seines früheren Wirkens in Landtag und Staatskanzlei in Erinnerungen zu schwelgen. Im »Schnellverfahren« sah der Pfälzer »eine Zeit meines Lebens aufblitzen«, die »menschlich für mich ganz wichtigen Jahre« als Abgeordneter (von 1959 an) und Ministerpräsident (1969 bis 1976). Kohl schaute im Landtagsrestaurant ("Hier ist ja alles noch wie früher") und beim Ältestenrat vorbei und hatte - weil Ministerpräsident Bernhard Vogel sich zur Begrüßung des Bonner Gastes verspätete - auch noch Muße, ein Vorzimmer zu besuchen und Gände zu schütteln ("Tach, Merkine, wie geht's?"). Auch bei der Ordensverleihung (Photo, l., mit Bernhard Vogel) gab sich der Kanzler nostalgisch: Er besann sich auf seine Jungfernrede im Mainzer Landtag und schwärmte von Weingelagen und Skatnächten in der Provinz. Vor den »Weggenossen in der Heimat« begründete der Regierungschef, warum er heute noch Dialekt spricht: »Das Pfälzisch ist die Grundlage der Hochsprache und nicht umgekehrt.« Ministerpräsident Vogel, der sich schwergetan hatte, eine Begründung für die Auszeichnung des Kanzlers mit dem Verdienstorden des Landes beizubringen, war schließlich doch noch etwas eingefallen: Kohl sei »der erste deutsche Kanzler, der aus Rheinland-Pfalz stammt«.