Helmut Kohl - DER SPIEGEL
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Helmut Kohl

• aus DER SPIEGEL 22/2002
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Helmut Kohl , 72, Ex-Bundeskanzler, macht auch nach seinem Rückzug aus hohen Ämtern Europapolitik. Anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Madrider Privat-Universität San Pablo disqualifizierte er Vorschläge amtierender Regierungschefs wie des Briten Tony Blair oder seines eigenen Nachfolgers Gerhard Schröder als »fatale Politik«. »Wir sind alle gleichberechtigt«, rief er aus. Dass Großbritannien, Frankreich und Deutschland eine Art EU-Direktorium bilden, »dürfen wir nicht zulassen«. Auf anschließende Fragen spanischer Journalisten, was er von einem Dauerpräsidenten für den EU-Rat halte, wie ihn der spanische Premier José María Aznar fordert, reagierte Kohl unwirsch. Der EU-Verfassungskonvent müsse erst einmal herausfinden, »was man eigentlich will«. Ob er sich selbst oder Aznar auf diesem Posten sehe, wollten die lokalen Medienvertreter wissen. »Stellen Sie ein bisschen intelligentere Fragen«, blaffte der auch zu Hause nicht gerade für ein Kuschelverhältnis zur Presse bekannte Christdemokrat. Der Kommissionspräsident Prodi mache »seine Sache sehr gut«. Es sei jetzt nicht der Zeitpunkt, Namen zu nennen. Zwei weitere Versuche, Kohls Meinung zu erfahren, tat der mit »Die Frage ist in sich völlig irrig« und »Das glaube ich überhaupt nicht« ab und verabschiedete sich mit einem beherzten »Schluss jetzt«.

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