Helmut Kohl,
61, Bundeskanzler und promovierter Historiker, ließ FDP-Generalsekretär Uwe-Bernd Lühr wie einen ertappten Schüler aussehen. Vor Beginn des Koalitionsgesprächs am vorigen Donnerstag fragte der Kanzler den aus Ostdeutschland stammenden Liberalen, ob er wisse, wo Johann Wolfgang von Goethe, der lange Jahre im thüringischen Weimar als Geheimer Rat tätig war, geboren sei. Lühr antwortete korrekt: »In Frankfurt.« Kohl bissig: Was ihn, Lühr, denn dann bewogen habe, die Kandidatur des früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel als Nachfolger des zurückgetretenen thüringischen Landeschefs Josef Duchac so zu kommentieren: »Wenn das der alte Geheime Rat Goethe wüßte, der würde sich im Grabe herumdrehen.« Lühr wurde, so ein Teilnehmer, »knallrot«, blieb aber die Antwort schuldig.