Helmut Schmidt
Helmut Schmidt, 82, Altkanzler und Herausgeber der »Zeit«, entschied sich bei einem Empfang im Berliner Roten Rathaus, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit in dessen Amtszimmer zu besuchen. Da »Wowi« (Berliner Jargon) aber gerade am Eingang des Rathauses den russischen Präsidenten Wladimir Putin empfing, setzte sich der Altkanzler erst mal geduldig auf eine Bank vor dem Bürgermeisterzimmer. Die Zeit verkürzte ihm mit einem Plausch Regierungssprecher Helmut Lölhöffel, der verdutzt den Wartenden entdeckt hatte. Als Wowereit und Putin endlich im Amtszimmer angelangt waren, lud Lölhöffel den Altkanzler mit ein zum Gespräch der hohen Herren. Schmidt setzte sich in aller Ruhe auf den eigentlich dem russischen Botschafter zugedachten Platz und beschied die Runde: »Lasst euch nicht beim Gespräch stören.« Natürlich störte er nicht, ließ es sich aber nicht nehmen, mehrmals auf die Sachlage der Weltwirtschaft hinzuweisen. Nach dem Treffen fragte ein Mitarbeiter den Regierenden, wie »er« denn gewesen sei? Wowereit, offenbar nur Schmidt im Kopf, antwortete voller Stolz: »Echt knorke, der Herr Altbundeskanzler.«