Personalien Helmut Schmidt
Helmut Schmidt , 89, pianistischer Laienspieler, wird von der Deutschen Grammophon neuerdings wie die Star-Virtuosen Horowitz oder Lang Lang gefeiert. Der Altkanzler, schwärmt die Firma in ihrem PR-Blatt »KlassikAkzente«, spiele Klavier, »wie er regierte: klug, präzise, mitfühlend«. Zum Beweis revitalisiert sie eine 1985 erstveröffentlichte Einspielung, die Ende dieser Woche mit dem Hochglanz-Cover »Helmut Schmidt - Kanzler & Pianist« und mit der Label-Aufschrift »Helmut Schmidt spielt Johann Sebastian Bach« neu aufgelegt wird. Doch die digitale »Jubiläumsedition« zum 90. Geburtstag des Bach-Verehrers Schmidt ist eine Mogelpackung. Denn bei den insgesamt vier Konzerten für zwei, drei und vier Klaviere ist Schmidt lediglich bei einem Stück mit von der Partie und auch da, im a-Moll-Konzert BWV 1065, bloß einer von vier Solisten. Bei dem gerade mal 11 Minuten und 29 Sekunden kurzen Opus bewältigen die Profis Christoph Eschenbach, Justus Frantz und Gerhard Oppitz den Löwenanteil und bewerkstelligen die drei restlichen Konzerte - Spieldauer immerhin 45 Minuten, 54 Sekunden« - ganz ohne Schmidt. Auch in der von Sandra Maischberger erstellten DVD »Helmut Schmidt außer Dienst«, die der Konzert-CD beiliegt, spielt der Altkanzler als Bach-Interpret keine Rolle.