HERZELEID - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 84

Briefe

HERZELEID
• aus DER SPIEGEL 42/1962
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

HERZELEID

Es war ein Verdienst des SPIEGEL, einmal das Gebiet der Herzkrankheiten in allgemeinverständlicher Form zu besprechen. Mancher Leser kann nun einiges besser verstehen und einiges, was er bisher falsch sah, richtig sehen. Was jedoch die fünf Forderungen angeht, durch deren »Erfüllung ein Mann im gefährdeten Alter wahrscheinlich keine Koronarsklerose bekommt«, scheint mir die dritte Forderung ("sich ständig zu bemühen, innerlich ruhig zu bleiben") unerfüllbar. Es ist auch nicht erwünscht, sie zu erfüllen, denn: Ständiges Sichbemühen ist ständige Anspannung - also das Gegenteil des Erstrebten.

Hamburg DR. MED. GUIDO MÖRING

Können Sie noch nachholen, wie Alkohol (mäßig genossen) wirkt?

Hamburg WILHELM SKIVLY

Warum denkt man bei den Ursachen für Herzinfarkte nicht an die reichlich und unfreiwillig genossenen Insektizide, die hemmungslos auf unser Gemüse gespritzt werden? Erlaubt das die chemische Industrie nicht?

Hamburg BRIGITTE PETER

Ihr Artikel bringt in beachtenswerter Weise eine Aufklärung nicht nur für die breite Masse, sondern auch für Ärzte und Heilbehandler.

Wuppertal DR. RUDOLF FINKE

Ich möchte den SPIEGEL darauf aufmerksam machen, daß wir Katholiken das Herz Jesu nicht anbeten, sondern »verehren«. Anbeten kann man nur Gott. Wir treiben keinen Götzendienst.

Erlangen CHRISTEL LANGER

Daß Sie sich nun auch noch in die Reihe der den Herztod behandelnden Boulevard-Illustrierten einreihen mußten, entspricht an sich nicht der vom SPIEGEL gewöhnten exklusiven Thematik. Bei aller Anerkennung der relativ sachlichen Darstellung dieses so enorm in den Mittelpunkt der Medizin gerückten Gebietes, hätten Sie sich die Publizierung der Begriffe, wie »Infarktwitwen«, sparen können. Solche uns Ärzten ja nicht ungewohnten Wortneuschöpfungen wurden in Laienkreisen gerade in diesem Zusammenhang als ausgesprochen geschmacklos empfunden.

Ergänzend möchte ich Ihnen noch mitteilen, daß etwa 30 Prozent aller Herzinfarkte als sogenannte »stumme Infarkte«, d.h. ohne Beschwerden von seiten des Herzens für den Patienten, ablaufen und somit die Quote der Zweitinfarkte wahrscheinlich höher liegt als in Ihrer Statistik zum Ausdruck kommt.

Flensburg DR. MED. v. MIKULICZ-RADECKI

Viele Krankheiten, besonders aber Angina pectoris, werden in der Hauptsache durch eine falsche Ernährungsweise verursacht. Selbstverständlich spielen dabei auch einige Nebenfaktoren eine Rolle. Diese kommen aber gewöhnlich erst zur Auswirkung, wenn der Körper durch jahrelange artfremde Ernährung nicht mehr genügend widerstandsfähig ist. Der Instinkt für eine gesunde Ernährung verkümmert immer mehr.

Berlin F. ASOR

Rauchen und arbeiten gehören zusammen bei der Koronarinsuffizienz. Beleg: Die Stadtaraberin raucht pro Tag durchschnittlich 100 Zigaretten (das Stück zu einem Pfennig). Schaffen tut sie nichts. Die Dorfaraberin hat als Arbeiterin bei zehn Stunden Arbeit, z. B. auf einer Pflanzung von Wassermelonen im Zweistromland, eine Tageseinnahme von 70 Pfennig. Ihr Mann sitzt faulenzend Im Teehaus, raucht und trinkt ununterbrochen Tee. Herz -Infarkte gibt es Im arabischen Orient so gut wie gar nicht.

Freiburg DR. MED. GERTRUD MAYER

Heldentod an der Arbeitsfront? Der Herzinfarkt ein Zeugnis intensiver Tätigkeit und eines pflichterfüllten Lebens? Nach den Erfahrungen der Sportmedizin freilich gibt es auch eine andere, weniger euphemistische Version: Viele schonen und faulenzen sich physisch zu Tode.

Stadtbergen (Bayern) WILLY SCHÖLLHORN

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 84

Mehr lesen über