Herzliche Allianz - DER SPIEGEL
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JULI 2006 Herzliche Allianz

Jedes Tête-à-Tête bringt es an den Tag: Das traute Verhältnis zwischen George W. Bush und Angela Merkel setzt neue Maßstäbe in den bilateralen Beziehungen.
• aus SPIEGEL Chronik 54/2006
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Die erotisch geschulte Journaille hatte bereits beim ersten Rendezvous im Weißen Haus, Mitte Januar, erfreuliche physiognomische Beweise für die transatlantische Passion des US-Präsidenten gemeldet. Er »lächelt, schürzt die Lippen, blickt Angela Merkel in die Augen«, berichtet erregt die »Berliner Zeitung«. Und dann ist dieser streng monogame, bibelfeste »mächtigste Mann der Welt« tatsächlich »leicht errötet« und hat der deutschen Kanzlerin die schönsten Komplimente gemacht: »Sie ist smart, süß, geistreich und liebt die Freiheit.« Er freue sich auf »viele Treffen, Gespräche, Telefonate, was man alles so macht« - eine Süßholz-Kaskade, die Kanzler Gerhard Schröder dem US-Präsidenten niemals hatte abringen können.

Seit diesem ersten, noch verhaltenen Tête-à-Tête in Washington ist die Liebelei zwischen George W. Bush und Angela Merkel zügig vorangeschritten. Der Texaner ist auch dann nicht zu bremsen, wenn die umworbene Physikerin ihm ungehörig kritisch ins Wort fällt. Die Wangenküsse fallen immer zärtlicher aus, visionäre diplomatische Kreise fühlen sich bereits an die Anfänge einer Rosamunde-Pilcher-Romanze erinnert.

Bei der hochsommerlichen Freundschaftvisite in Mecklenburg-Vorpommern lernt der »liebe George« endlich auch »einen Teil meiner politischen Heimat« kennen. Im Trinwillershagener Gasthof »Zu den Linden« verspeisen sie gegrilltes Wildschwein, das Bush ("Ich freu mich auf das Schwein") persönlich anschneiden darf. Das Dorf ist derart abgesperrt, dass politische Beobachter sich in DDR-Zeiten zurückgesetzt fühlen, wenn »in der LPG 'Rotes Banner' Maul- und-Klauenseuchen-Alarm gegeben wurde«.

In St. Petersburg, auf dem G-8-Gipfel zwei Tage später, geht der Charmeur aber wohl einen Schritt zu weit. Er grabscht der verdutzten Erotissima so leidenschaftlich an die Schulter, dass sie ebenso erschrocken wie abwehrend die Hände hochreißt. Aber auch dieser präsidiale Übergriff bleibt politisch folgenlos und zeigt eindrucksvoll, dass die deutsch-amerikanische Freundschaft selten so belastbar war wie heute.

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