Hessen: Streit wegen Biblis - DER SPIEGEL
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Hessen: Streit wegen Biblis

• aus DER SPIEGEL 50/1981
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Die sozialliberale Koalition in Wiesbaden steckt in einer Krise. Ministerpräsident Holger Börner (SPD) und sein Wirtschaftsminister Klaus-Jürgen Hoffie (FDP) gerieten über den geplanten Reaktorblock C des Kernkraftwerks Biblis in Streit.

Der Parteirechte Hoffie will, unterstützt von seiner Fraktion, noch dieses Jahr den ersten Bauabschnitt des Blocks C genehmigen, Börner hält das »für unrealistisch«. Der angeschlagene Ministerpräsident kann es sich nicht leisten, nach den Konflikten wegen der Frankfurter Startbahn West und der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Hessen, für die Hoffie letzte Woche zwei Standorte vorschlug, mit Biblis neuen Ärger zu riskieren.

Börner steht bei seiner Partei im Wort, daß der dritte Reaktor erst dann gebaut wird, wenn »die erste Teilerrichtungsgenehmigung für die Errichtung eines Endlagers« vorliegt oder »die Möglichkeit einer langfristigen Zwischenlagerung außerhalb der Kernkraftwerksstandorte sichergestellt« ist. Hoffie dagegen hält sich an die von Bund und Ländern verfaßten Leitlinien. Danach genügt es für die Entsorgung, wenn Kompaktlager eingerichtet werden oder Frankreich sich bereit erklärt, den Atommüll zu übernehmen.

Der Krach in Wiesbaden hat auch die Bonner Koalition erschreckt. Börner, Hoffie und der FDP-Landesvorsitzende Ekkehard Gries wurden für diesen Mittwoch in die Bundeshauptstadt bestellt, um mit dem SPD-Vorsitzenden Willy Brandt und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher die Lage in Hessen zu erörtern. Daß in Wiesbaden noch vor den Landtagswahlen im September 1982 die sozialliberale Koalition kippt, so ein linker FDP-Politiker, »hat gerade noch gefehlt«.

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