High-Tech und Bratwurst
In der Gaststätte »Feuerkugel« in der Erfurter Innenstadt trafen sich 22 Männer zu wichtigem Tun. Mit hochrotem Kopf, zu Drehorgelmusik und unter ärztlicher Aufsicht testeten sie die Belastbarkeit ihrer Mägen. Sie mampften um die Wette, was der Thüringer neben seiner Bratwurst sowieso am liebsten ißt - Klöße.
Für den Kloß, anderswo Knödel geheißen, gilt in Erfurt und umliegenden Ortschaften nur ein Rezept: Aus Kartoffeln muß er sein, zur Hälfte gekocht, zur Hälfte roh, und faustgroß. Das gibt dem Kloß eine lockere Konsistenz und dem Esser die Gewißheit, daß er nie hungrig vom Tisch aufsteht.
In der »Feuerkugel« verputzte der Sieger binnen einer Stunde gleich 16 Klöße, satte fünf Pfund Kartoffeln. »Puls normal, keine Gefahr«, attestierte der Wettkampfarzt hernach mit ernster Miene. Derweil hielten sich die Männer ihre rundgegessenen Bäuche.
Die Thüringer, schrieb der Schriftsteller Rudolf Hagelstange in den fünfziger Jahren, hätten im Gegensatz zu anderen deutschen Stämmen die Fähigkeit, »sich selbst zum besten zu halten«. Der Autor ("Spielball der Götter"), im thüringischen Nordhausen geboren, wußte auch genau, warum seine Landsleute sich selber nicht so schrecklich ernst nehmen: Thüringen sei in der Mitte Deutschlands gelegen, und »das Wohnen inmitten der Verschiedenheiten« stimme tolerant.
Aus DDR-Sicht traf das Bild von der Mitte Deutschlands allerdings ganz und gar nicht zu. Thüringen galt als ferne Region, abseits der Hauptstadt im äußersten Südwesten gelegen. Da war die Welt zu Ende, Grenzland eben.
Auch der Westen hatte begonnen, sich von Thüringen zu verabschieden. Davon zeugen, krasser noch als andere Belege, Aufsätze von Fünftkläßlern, die 1987 in der hessischen Grenzgemeinde Rasdorf in der Rhön entstanden.
In den Augen der zehnjährigen Kinder gab es jenseits der Grenze kein Vaterland mehr: »Die DDR hat früher zu Deutschland gehört.« Und über Thüringen wußte ein Aufsatzschreiber nur, daß es »auch ein Mittelgebirge wie Deutschland« sei. Angstvoll beschrieben die Westkinder den Grenzstreifen zu jenem fernen Land: »Der Hase ist in die Luft gegangen.«
Die Bürger »drüben« litten unterdessen an Beschränkungen ohne Ende, die ihnen wegen der Nähe zum Westen aufgezwungen wurden. Seit der Eiserne Vorhang verschwunden ist, wandelte sich die einstige Grenzlage jedoch zum Standortvorteil - jetzt ist Thüringen plötzlich vorn.
Nach einhelligem Urteil der Experten hat die Region zwischen Werra und Saale derzeit »die besten Chancen unter allen neuen Ländern«, wie es Lothar Späth formuliert, einst Ministerpräsident in Stuttgart und heute Wirtschaftsboß in Jena.
Deutlich optimistischer als ihre Nachbarn in Sachsen oder Sachsen-Anhalt gehen die Thüringer an den Aufbau ihres Landes. Zwei Drittel der Menschen zwischen Harz und Thüringer Wald sehen für sich gute Perspektiven, wie eine Infas-Umfrage ergab; in Mecklenburg-Vorpommern glaubt nicht mal die Hälfte der Einwohner an eine sichere Zukunft, in Ost-Berlin bezweifeln 64 Prozent der Bürger ihre Entwicklungschancen.
Den Erfurter Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU) überrascht der Optimismus seiner Landsleute nicht. In Thüringen könne man »täglich besichtigen«, meint Vogel, wie »Deutschland zusammenwächst«. Aus der früheren Westsicht heraus habe die Landeshauptstadt Erfurt »irgendwo weit im Osten« gelegen, erinnert sich Vogel, der einst als Ministerpräsident in Mainz residierte. Die gesamtdeutsche Landkarte jedoch eröffne eine verblüffende Entdeckung: »Erfurt liegt westlich von München.«
Im System der Längengrade ist Thüringens Landeshauptstadt nahezu 50 Kilometer weiter westlich gelegen als die bayerische Metropole. Der geographische _(* Links: in Jena, beim Begutachten ) _(von Bakterienkulturen; rechts: in ) _(Eisenach. )
Mittelpunkt der Republik liegt im thüringischen Dörfchen Niederdorla bei Mühlhausen.
Zwischen Altenburg im Osten, wo das Skatspiel erfunden wurde, und Eisenach im Westen, wo Automobilbauer vor dem Krieg BMW-Limousinen fertigten, dann den Wartburg für gehobene DDR-Ansprüche zusammenschraubten und heute die Opel-Modelle Corsa und Astra montieren, leben 2,5 Millionen Menschen.
Das »grüne Herz Deutschlands«, wie sich Thüringen in der Tourismuswerbung preist, hat weithin unzerstörte Landschaften bewahrt. Bucklige Waldberge im Süden, der wildere Harz im Norden, und im Zentrum sanfte grüne Täler, aus denen gelegentlich die Turmspitze einer Dorfkirche herausragt - deutsches Idyll pur.
»Von jedem beliebigen Hügel aus«, notierte die Schriftstellerin Inge von Wangenheim, habe man »das Gefühl, Hunderte Kilometer weit zu sehen«. Stets sei der Ausblick wie »Loge Mitte, erste Reihe«. Das können inzwischen sogar Autofahrer bestätigen, weil sie, anders als früher, ihren Blick nicht mehr starr auf die Straße richten müssen: Die meisten Schlaglöcher sind längst verschwunden.
Auch die unangenehmsten Erscheinungen der jüngeren Vergangenheit Thüringens sind inzwischen nahezu beseitigt: die Grenzanlagen. Über insgesamt 1393 Kilometer zog sich die »Staatsgrenze West« der DDR. Mehr als die Hälfte der Grenzbefestigungen, auf rund 740 Kilometer Länge, standen in Thüringen - grenznahe Ortschaften waren wie Kaninchenställe eingezäunt (siehe Kasten Seite 140).
Der Grenzwahn der SED-Oberen schuf absurde Situationen. Da wurde etwa im hessischen Philippsthal ein Druckereigebäude mitten durchgetrennt. Quer durch Mödlareuth, im Süden an der Grenze zu Bayern gelegen, zog sich eine hohe, mit Stacheldraht bewehrte Mauer. Ein Teil davon steht noch, als Erinnerung an »Klein-Berlin«, wie das Dorf im Volksmund hieß.
Als im November 1989 die ersten Grenzzäune fielen, verloren die Behörden in Ost und West zunächst den Überblick. Zeitweise kannte niemand mehr die genaue Zahl und Lage der Übergänge. Die Bürger hatten sich selbst geholfen, eigenhändig Feldwege durch die einstige Demarkationslinie planiert oder Stege über kleinere Flüsse gelegt.
Bald wurden die einstmals grauen Dörfer bunter, der DDR-typische Materialmangel war vorbei. Schneller als anderswo in der seinerzeit noch existierenden DDR pinselten die Bewohner ihre Häuser, setzten neue Fenster ein, installierten Wasserrohre - man konnte ja kurz mal »rübermachen«, nicht nur zum Baumarkt in Bayern oder Hessen, auch zum Arbeiten.
Nach Schätzungen der hessischen Behörden landeten schon 1990, lange vor dem Einheitstag, in Hessen täglich weit über 100 000 Pendler aus Thüringen an, nicht wenige fuhren sogar bis nach Rheinland-Pfalz.
Mittlerweile können viele Arbeitnehmer daheim in Thüringen bleiben. Das Land meldet mit 11,6 Prozent Plus beim Bruttosozialprodukt das stärkste wirtschaftliche Wachstum unter allen Bundesländern. Zwar wird die enorme Rate im Wirtschaftsministerium relativiert, die Steigerung gehe von »einem sehr niedrigen Niveau« aus. Thüringen liegt jedoch damit noch vor Sachsen (7,2 Prozent Wachstum), das sich gern als »das Zukunftsland« bezeichnet.
Die Thüringer wissen ihre Standortvorteile zu schätzen: »Wir haben zwar keine Metropole wie Leipzig«, sagen Regierungsverantwortliche in Erfurt, »aber auch kein Görlitz« - Synonym für eine extrem strukturschwache Region im fernen Osten der Republik. Nach offizieller Rechnung sind in Thüringen zwei Drittel aller alten Arbeitsplätze weggefallen. Komplette Fabriken an traditionellen Textil-, Porzellan- und High-Tech-Standorten wurden stillgelegt: etwa beim VEB Umformtechnik Erfurt, das ehemalige Robotron-Büromaschinenwerk Sömmerda oder der VEB Apoldaer Maschenwaren. Und auch bei der Jenoptik, Nachfolger des Weltunternehmens Carl Zeiss Jena, sind von 23 000 Arbeitsplätzen nur noch 2400 erhalten geblieben.
Von den früher im Thüringer Wald ansässigen Kunsthandwerksbetrieben schlossen ebenfalls viele die Pforten. Das altbackene DDR-Design der Möbelproduzenten, Glasbläser und Spielzeugmanufakturen ließ sich nicht mehr absetzen. Doch es entwickelten sich neue Betriebe, vor allem im Handwerksbereich. Die Anzahl der Maurer-, Klempner- und Dachdeckergeschäfte hat bereits Westniveau erreicht, 100 Firmen auf 10 000 Einwohner. Während im Westen jedoch durchschnittlich neun Mitarbeiter in einem Betrieb arbeiten, sind es in Thüringen sechs.
Zu tun gibt''s genug: Wenn daheim Aufträge fehlen, schicken die neuen Handwerksbetriebe ihre Meister und Gesellen in den Westen rüber. Die Schreinerei Röhricht aus Werningsleben bei Erfurt etwa, spezialisiert auf den Innenausbau von Büros und Läden, erledigt Aufträge sogar am Münchner Stachus.
Die Regierung in Erfurt setzt überdies auf den »Modernitätsvorsprung« neuer Betriebe. Schon hat eine neue Druckerei des Süddeutschen Verlags in Suhl, wo das Freie Wort gedruckt wird, im benachbarten Bayerischen zu Turbulenzen geführt. Aus Kostengründen wird in Kürze auch die Coburger Neue Presse, im Besitz desselben Verlags, statt im fränkischen Coburg 45 Kilometer entfernt in Suhl gedruckt. Die neue Klinik der Rhön AG in Meiningen, ein supermodernes privates Krankenhaus, zieht inzwischen so viele Patienten an, daß in den benachbarten hessischen und fränkischen Kliniken schon Betten leer bleiben.
Vor allem in Zukunftsbranchen tut sich was. Das Institut für Molekulare Biotechnologie in Jena gilt weltweit als führend auf dem Gebiet der Grundlagenforschung für neue Medikamente und umweltfreundliche Kunststoffe. Ebenfalls in Jena eröffnete jetzt das erste virtuelle Kaufhaus Deutschlands. Dort können, über Internet, rund um die Uhr Kaufinteressenten unter etwa 13 000 Computerartikeln auswählen. Der Chiphersteller Thesys in Erfurt wie die Computerfabrikation Aquarius in Sömmerda behaupten sich mit ihren High-Tech-Produkten auf dem Markt. Auch die erfolgreichste Schnapsbrennerei Deutschlands ist, komplett modernisiert, im thüringischen Nordhausen beheimatet. Nordhäuser Korn servierte bereits Erich Honecker seinen Gästen.
Schon muß selbst Mercedes Wettbewerber aus Thüringen ernst nehmen. »Multicar«, der ehemalige VEB Fahrzeugwerk Waltershausen, macht dem Daimler-Unimog Konkurrenz. Renner des Unternehmens ist ein Fahrzeug (Typ »M 26"), das multifunktional als Kipper, Kehrmaschine oder Leitpfosten-Waschgerät eingesetzt werden kann, auf Wunsch auch geländegängig. Und im vergangenen Monat stellte die Firma aus Waltershausen eine Neuheit vor, die Westdeutschlands Marktführer gar nicht im Angebot hat: »Öko-Multicar«, ein Fahrzeug mit geräuscharmem Elektromotor.
Der Erfolg von Multicar widerlegt Vorurteile aus dem Westen, wonach frühere Planwirtschaftler in der Marktwirtschaft scheitern müssen: Die Multicar-Bosse Walter Botschatzki und Manfred Windus waren vor der Wende Mitarbeiter im VEB.
Jenoptik-Chef Späth erklärt derlei Erfolge mit der hohen Motivation einheimischer Manager: »Viele Leute hier sind so heiß auf den Erfolg, so heiß kann im Westen gar keiner mehr werden.«
Doch vielerorts knirscht und wackelt es noch in der Produktion. Landesvater Vogel, der aus seinen früheren Regierungsjahren in Mainz »jede einzelne Firmenkrise« erinnert, kann sich in Erfurt »nicht einmal die Krisen eines Monats alle merken« - so viele sind es.
In Bischofferode wurde die gesamte Kali-Industrie stillgelegt (siehe Kasten Seite 142). Zahlreiche Firmen zwischen _(* In Weimar. )
Ronneburg und Nordhausen halten sich nur über Wasser, weil sie vom Land unterstützt werden. Mit derzeit 136 Unternehmensbeteiligungen engagiert sich Thüringen mehr als jedes andere neue Bundesland in notleidenden Industriezweigen.
Teure Alleingänge mit eigenen Landesinstitutionen aber hat sich die Landesregierung konsequent erspart: Die Landeszentralbank führt man gemeinsam mit den benachbarten Sachsen, die Landesbank zusammen mit den hessischen Sparkassen.
Die Thüringer stört solche Arbeitsteilung überhaupt nicht. Sie sind es seit Jahrhunderten gewöhnt, bei den Nachbarn mitzureden - und die Nachbarn bei ihnen.
Lange gehörten zu Thüringen weite Teile des heutigen Nord- und Mittelhessens, die erst im 13. Jahrhundert als eigenständige Landgrafschaften abgespalten wurden. Noch heute haben beide Bundesländer ein nahezu identisches Wappen, mit einem rot-weiß-gestreiften Löwen im Mittelpunkt.
In Thüringen hatten im Mittelalter allerlei sächsische Adelsgeschlechter regiert, zeitweise auch das Mainzer Erzbistum. Der Adel vererbte, teilte, zersplitterte seine Ländereien. Ende des 17. Jahrhunderts gab es auf thüringischem Boden bis zu 26 kleine und kleinste Herrscher.
Im Reich wurden die Kleinstaaten als »Duodez-Fürstentümer« verspottet. Weil deren Herrscher jedoch stets danach trachteten, sich in ihrer Liberalität gegenseitig zu überbieten, gingen entscheidende deutsche Entwicklungen, kulturell wie politisch, jahrhundertelang von Thüringen aus.
Die Reformation Martin Luthers hätte ohne den Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen womöglich so nicht stattgefunden. Auch die ersten Anstöße zum deutschen Nationalstaat kamen, schon zu Goethes Zeiten, aus dem Thüringischen, ebenso die wichtigsten Gründungsimpulse der Arbeiterbewegung. Nur in den liberalen Kleinstaaten hatten sich August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit ihren Genossen versammeln können.
Der ständige Ehrgeiz der thüringischen Zwergreiche, sich gegenseitig an Prunk und Pomp zu übertrumpfen, schuf im Laufe der Jahrhunderte eine einzigartige Kulturlandschaft. Baumeister, Schriftsteller, Gelehrte, Komponisten - sie strömten alle in die Schlösser und Residenzen im Herzen Deutschlands.
Schiller und Goethe schrieben ihre Hauptwerke in Weimar. Johann Sebastian Bach, in Eisenach geboren, komponierte in Weimar, Arnstadt und Mühlhausen.
Ob der Romantikerkreis um die Gebrüder Schlegel, Ludwig Tieck und Clemens Brentano, die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich Heine, Jean Paul oder der Komponist Carl-Maria von Weber - wer immer in der deutschen Klassik und auch hernach einen Namen hatte, ließ sich, zumindest vorübergehend, mal im Ländchen nieder.
Thüringen avancierte zeitweise zum geistigen Mittelpunkt Deutschlands, mit Folgelasten bis zum heutigen Tag. Nirgendwo sonst drängeln sich auf so engem Raum derart viele historische Prunkbauten und Fachwerkhäuser. Denkmalpfleger in Thüringen ist »einer der härtesten Jobs der Republik«, wie Landeschef Rudolf Zießler unumwunden zugibt. Erhalten will er soviel wie möglich - der Tourismus steigert das Bruttosozialprodukt.
Doch in Thüringen gibt es nicht nur Schönes und Prunkvolles zu besichtigen, sondern mit dem Konzentrationslager Buchenwald auch ein Zeugnis der jüngeren deutschen Geschichte. Buchenwald steht symbolhaft gleich für zwei Diktaturen in der deutschen Geschichte. Durch die Nazis kamen dort 56 000 Menschen um. Nach 1945, als sowjetische Besatzer das Lager übernommen hatten, starben noch einmal 13 000 Häftlinge, viele von ihnen Gegner des neuen Regimes.
Trotz der Zersplitterung des Landes, auch unter zwei Diktaturen, hat sich stets ein spezifisches Thüringer Landesgefühl erhalten, selbstsicher und traditionsbewußt. Da fighten die Thüringer für ihre heimische Bratwurst, jene Schweinswurst mit Majoran, die das Landwirtschaftsministerium nach dem Vorbild des französischen Champagners gern als heimisches Produkt schützen lassen möchte - »echt nur aus Thüringen«.
Aber sie sind auch stets offen für Fremde. Gleich drei Westländer hatten beim Aufbau der neuen Verwaltung mitgeholfen: Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Reibungslos läuft der Behördenbetrieb jedoch noch immer nicht. Die »Überadministration«, meint der Neu-Thüringer Späth, arbeite, trotz Westhilfe, immer noch zu schleppend: »Ein ängstlicher Ossi zusammen mit dem drittklassigen Westbeamten, das ist tödlich für den Fortschritt.«
Mit einer stattlichen Reihe von Affären und Ungeschick ruinierte in der ersten Legislaturperiode die Landesregierung ihren Ruf. Immer wieder war vom »Skandalkabinett« in Erfurt die Rede. Seit November vergangenen Jahres regiert dort eine Große Koalition aus CDU und SPD. Einzige Oppositionspartei ist die PDS, nachdem FDP und Grüne nicht wieder ins Parlament gewählt wurden.
Egal, ob den Thüringern beim Aufbau Fehler unterlaufen - von vielen Investitionen für die anderen Ostländer profitiert die Region nahezu automatisch.
Wenn etwa Berlin oder der Raum Leipzig/Dresden besser an den Westen angebunden werden soll, führen die Bahnlinien oder Straßen meistens durch Thüringen. Erfurt, nach der Wende von Frankfurt fast fünf Bahn-Stunden entfernt, ist nächstes Jahr schon in weniger als zwei Stunden zu erreichen.
Die Thüringer bedanken sich auf ihre Art, zum Beispiel mit olympischem Metall bei den Sportfreunden der Republik. Bei den letzten Winterspielen im norwegischen Lillehammer holten die Athleten aus Erfurt und Oberhof allein 9 von insgesamt 24 Medaillen: Platz sieben der Nationenwertung, wären sie allein gestartet - gleichauf mit Österreich und der Schweiz.
[Grafiktext]
Land Thüringen
Thüringens Wirtschaft
[GrafiktextEnde]
* Links: in Jena, beim Begutachten von Bakterienkulturen; rechts: inEisenach.* In Weimar.