HILFSSCHULE - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 55 / 65

Briefe

HILFSSCHULE
• aus DER SPIEGEL 1/1966
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

HILFSSCHULE

Das, was wir im SPIEGEL-Report zum Thema Fernunterricht gelesen haben, hat uns sehr enttäuscht. Nicht etwa, weil der SPIEGEL eine kritische Darstellung gegeben hat, die nach unserer Ansicht an der Sache vorbeigeht und die wir deshalb nicht auf uns beziehen, sondern weil er Dinge berichtet, die schon öfters behauptet worden sind.

In dem SPIEGEL-Report finden sich zahlreiche unrichtige Darstellungen und Widersprüche. Er verdoppelt die Zahl der Fernstudierenden in der Bundesrepublik, verachtfacht die Einnahmen der Fernlehr-Institute usw. Auf die Hauptfrage aber, was die Bildungswilligen tun sollten, wenn es keine Fernlehr-Institute gäbe, geht der SPIEGEL bedauerlicherweise nicht ein. Liegt hier nicht das eigentliche Thema?

Hier könnten wir unser Schreiben beenden. Aber der Vollständigkeit halber wollen wir einige SPIEGEL-Behauptungen, die uns direkt betreffen, richtigstellen:

So schlecht, wie der SPIEGEL meint, sind die Kultusbehörden nicht. Wir verweisen auf die Richtlinien des Bundesarbeitsministeriums aus dem Jahre 1962. Nach ihnen werden Fernstudierenden staatliche Beihilfen gewährt, sofern der Fernkursus ganz oder teilweise mit ganztägigem Unterricht gekoppelt ist, wie es in unserem Institut geschieht.

Aber auch der hessische Kultusminister hat den Fernunterricht nicht vergessen. Absolventen unserer Ingenieurkurse der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Hochbau,. Tiefbau und Chemotechnik sind auf Grund von Vereinbarungen mit dem hessischen Kultusministerium und auf Grund von dementsprechenden Erlassen als »Externe« zur staatlichen Ingenieurprüfung zugelassen.

Der Senior unseres Unternehmens, Werner Kamprath, ist ununterbrochen, wenn auch aus politischen Gründen zeitweise nebenberuflich (1933 bis 1945), für das 1908 gegründete Institut seines Vaters, des Verlegers Ernst Kamprath, tätig gewesen. Ernst Kamprath führte als erster in Deutschland kombinierten Unterricht und Rundfunk-Unterricht mit Lehrbriefhilfe (1926) ein.

Eine Ihnen vorliegende Emnid-Umfrage hat ergeben, daß sehr viele Fernstudierende das Lehrmaterial ohne die Absicht beziehen, eine Prüfung abzulegen. Aber auch diese Schüler wollen sich bilden. Bei dem auch vom SPIEGEL gerügten Bildungsnotstand ist schon das ein Erfolg. Warum fehlten hier Zahlenangaben?

Die Studiengemeinschaft Kamprath bemüht sich um ständigen Kontakt mit ihren Schülern. »Faule Schüler« werden an die Abgabe ihres Korrektur-Einsendungen gemahnt. Aber wir sind keine staatliche Schule, die »nachsitzen« lassen oder »Strafarbeiten« verteilen kann. Das ist wohl auch nicht der Sinn der Sache.

Über 500 ausgesuchte Autoren arbeiten für die Studiengemeinschaft Kamprath und schreiben das Lehrmaterial. Wir liefern unseren Schülern keine Kopien oder Kurzfassungen von Fachbüchern.

Für die Entwicklung neuer Lehrgänge hat die Studiengemeinschaft Kamprath allein 1964 weit mehr als eine Million Mark ausgegeben. Die Gesamtinvestition für unsere technisch gut eingerichteten Laboratorien, Zeichensäle, Prüfstände usw. beträgt seit 1961 mehr als zwei Millionen Mark. Die Vorbereitung eines einzigen Lehrganges, zum Beispiel Maschinenbau, kostet oft mehr als 400 000 Mark. Hinzu kommen die Mittel für die laufende Ergänzung.

Darmstadt STUDIENGEMEINSCHAFT

WERNER KAMPRATH

Kamprath

Zur Ausgabe
Artikel 55 / 65