Hindemith - DER SPIEGEL
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Briefe

Hindemith
• aus DER SPIEGEL 29/1950
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hindemith

Von meinen Studenten höre ich, daß in Ihrer SPIEGEL-Nummer 24 ein Aufsatz über »Hindemith« zu finden ist, in dem unsere Zusammenarbeit in Plön besprochen wird. Ich wollte mir die Nr. 24 in Kiel kaufen: überall war sie ausverkauft. (Dazu gratuliere ich Ihnen!)

Nach den Schilderungen meiner Studenten stimmen die Tatsachen besser, als sie in Strobels Hindemithbiographie (Schott-Mainz) gegeben sind; dort schwenkt Strobel schon in die »Legende« hinein. Wir haben eine gewöhnliche Schule (Staatliche Bildungsanstalt) und nicht, wie Strobel in seiner Hindemith-Biographie mitteilt, eine Jugendmusikschule. Nicht wir hatten Hindemith gebeten, zu uns zu kommen: der Wunsch, die Schulmusik in Plön zu hören, ging von ihm aus. Und als wir dann mit ihm zusammen musiziert hatten sagte er: Hier müßten wir einmal einen ganzen Tag Musik machen. Ich schreibe Euch was dazu.« Auf einem der Schloßtürme sollten Blechbläser eine »Morgenmusik« blasen, vormittags sollte im Park geübt, mittags im Alumnat beim gemeinsamen Essen eine »Tafelmusik« aufgeführt werden. Der Nachmittag wurde zum weiteren Musizieren genutzt, und am Abend erklangen dann die vielfältigen Stücke der »Abendmusik«, zu der er einem Flöte blasenden Mädel die »Variationen« und einem Klarinette blasenden Jungen ebenfalls Solostücke, vom Streichorchester begleitet, komponierte. Wir hatten viel Freude an der Sache und dachten an weitere Pläne für das kommende Jahr. Der Juni sollte zum Musikmonat der Schule werden. Der damals amtierende Direktor, Prof. Dr. Teichert, wußte, was die Musik innerhalb der Erziehung bedeutet und unterstützte, auch gegen den Widerstand ewig-nörgelnder Spießer, unsere Arbeit. Doch dann kam das Jahr 1933 - und alle Herrlichkeit hatte ein Ende. -

Beiliegend ein Photo aus den Junitagen 1932. Man sieht wohl aus ihm, daß auch Hindemith viel Freude am Musizieren mit der Jugend hatte.

Kiel

Prof. EDGAR RABSCH

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