PROPAGANDA »Hinter alles ein Fragezeichen setzen«
SPIEGEL: Die Vereinigten Staaten planen angeblich, über ein eigens im Verteidigungsministerium eingerichtetes »Büro für strategische Einflussnahme« auch in den Medien befreundeter Nationen militärische Propaganda und gezielte Fehlinformationen zu streuen. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus für Ihre Berichterstattung?
Brender: Das ist offensichtlich ein Büro zur strategischen Förderung des Anti-Amerikanismus. Was dort gemacht werden soll, widerspricht der Pressefreiheit und den Werten der freien Welt, die Amerika ja verteidigen will. Wir haben in einer großen Runde der Inlandsstudio-Leiter und der aktuellen Redaktionen über Konsequenzen gesprochen: Wir werden jetzt systematisch alle Informationen beobachten, die die Sicherheitspolitik und den Kampf gegen den Terror betreffen, um der Platzierung solcher Fehlinformationen auf die Schliche zu kommen.
SPIEGEL: Wie kann Propaganda denn überhaupt als solche erkannt werden?
Brender: Schwer. Informationen müssen ständig gegengecheckt und abgeglichen werden, um Widersprüche zu entlarven. Wir müssen zusätzliche Quellen angehen, vor allem, wenn wir nicht genau wissen, woher die Informationen kommen.
SPIEGEL: Wie soll das konkret aussehen?
Brender: Wir müssen versuchen, auf eigenen Wegen zu Informationen zu kommen. Deswegen auch unsere Kooperation mit al-Dschasira. Und ich bin gerade auf dem Weg nach Teheran, um dort ein eigenes Korrespondenten-Büro zu eröffnen.
SPIEGEL: Sind die Medien in der Vergangenheit kritisch genug mit militärischen und sicherheitspolitischen Quellen umgegangen?
Brender: Wir waren natürlich in der Phase nach dem 11. September, was unsere eigenen Quellen und Beobachtungen angeht, nicht besonders gut gestützt - wir hatten sie nicht. Das betraf aber auch die europäischen Politiker und Nachrichtendienste. Deswegen muss hinter alles, was wir machen, ein Fragezeichen gesetzt werden.