Hoffen auf einen Quickie
Nr. 8/2000, Philosophie: Denker besinnen sich auf Kinderfragen nach Glück und Lebenssinn; Interview mit Hans-Georg Gadamer über Denken als Gesprächskunst
In Zeiten, in denen der Wahn der Individualisierung zum Synonym geworden ist für Selbstentfremdung, wächst die Zahl der Bedürftigen nach Instant-Lösungen. Es kann nicht sein, dass die Philosophie sich dieser Entwicklung anpasst um den Preis der Verflachung. Wie so oft ist der Weg auch hier das Ziel. Es kann nicht darum gehen, vorgekaute Lösungen zu präsentieren. Indem man lernt, anderen zuzuhören, vielleicht auch den Philosophen, lernt man, sich selbst zuzuhören.
Frankfurt am Main Andreas Falke
Einverstanden, wenn Gadamer sagt: »Glück ist für jeden, was er sich im Geheimen wünscht.« Meine Glücksdefinition stammt von Simone de Beauvoir, die sagt: »Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.«
Wiesbaden Winfried Kretschmer
Welche Verzweiflung und Ignoranz muss aus der Stimme sprechen, die die tiefste Motivation des Menschen - die eigene Suche nach Glück - abfällig als »Kinderfragen« bezeichnet. Sinn-, Liebes- und Glücksuche ist die eigentliche Bestimmung des Menschen, die uns gerade aus dem Urschlamm der Evolution erhebt, und die »Botschafter des Lebens«, wie zum Beispiel Buddha, Jesus, Laotse, haben es ja auch mit aller Macht versucht, uns dorthin zu führen.
Bielefeld Ulrich Thiesen
Die geschäftstüchtigen, aber leider immer noch weltfremden Philosophen verkennen, dass die meisten ihr Glück nach Nietzsche längst angeschafft haben: Sie mehren ihr Geld durch Shareholder-Value, sehen zu, dass sie den Kampf um den Parkplatz gewinnen, lassen kein Event aus, bei dem es auch was zu essen gibt, hoffen auf einen Quickie und entspannen abends bei 40 Fernsehprogrammen. Für Denken und Bewusstsein und Gespräch ist doch in diesem Highlifestyle gar kein Platz mehr. Es sei denn, es gibt im Supermarkt gerade ein Sonderangebot.
Hannover E. Rita Salsaba