Hausmitteilung Honecker-Besuch
Als der SPIEGEL im Mai vorigen Jahres im Ost-Berliner Ermeler-Haus die Wiedereröffnung seines DDR-Büros feierte, gehörte zu den Gästen auch Oskar Lafontaine, der Ministerpräsident des Saarlands. Er mußte die Feier zwischendurch einmal verlassen: DDR-Staatsratsvorsitzender Erich Honecker hatte ihn (und NRW-Mznisterpräsident Johannes Rau) zu einem politischen Gespräch gebeten. Nach anderthalb Stunden war Lafontaine wieder da - und gab dem SPIEGEL einen frischen Eindruck von der besonderen Beziehung zwischen Saarländer und Ex-Saarländer.
In zwei Wochen kommt Honecker in die Bundesrepublik und wird dabei auch die alte Heimat wiedersehen, Wiebelskirchen, Saarland. In einem für den SPIEGEL geschriebenen Beitrag zeichnet Landsmann und Sozia1demokrat Lafontaine ein Porträt des DDR-Chefs (der in dieser Woche 75 wird), des Kommunisten, Realisten und Saarländers. Lafontaine: »Wie alle Saarländer ist er durchaus in der Lage, fünfe grade sein zu lassen... Heroische Züge sind an Erich Honecker nicht auszumachen« (Seite 34).
Über die Bedeutung des Honecker-Besuchs und den Stand der deutsch-deutschen Beziehungen diskutierten die SPIEGEL-Redakteure Richard Kiessler (Büro Bonn) und Ulrich Schwarz {Büro Ost-Berlin) mit Kanzleramtsminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der Kohl-Vertraute, der der Besuch vorbereitet hat, läßt offen, ob er als »historischer Einschnitt« zu werten ist; er wirbt dafür, »daß wir mit diesem delikaten Ereignis würdig umgehen, würdig in jede Richtung« (SPIEGEL-Gespräch Seite 25).
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Am Mittwoch letzter Woche starb in Hamburg Dr. Helmut Gumnior, SPIEGEL-Redakteur seit 1965, zuletzt im Kultur-Ressort. Sein Hauptarbeitsgebiet waren geisteswissenschaftliche Themen. Er führte SPIEGEL-Gespräche mit den Philosophen Herbert Marcuse, Max Horkheimer und Hermann Lübbe, dem Aggressionsforscher Friedrich Hacker und dem Ruhrbischof Franz Hengsbach. Gumnior starb, 57 Jahre alt, an Krebs.