Horrender Preis - DER SPIEGEL
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Briefe

Horrender Preis
• aus DER SPIEGEL 29/1998
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Horrender Preis

Nr. 27/1998, Viagra: Krankenkassen verweigern Zahlung

Die gemeinsame Kommission aus Ärzten und Krankenkassen hat eine ebenso kurzsichtige wie weitreichende Entscheidung getroffen. Kurzsichtig ist der Versuch, ein Medikament von der Verordenbarkeit auszuschließen, nur weil es zu teuer ist und der Lebensfreude dient. Weitreichend ist, daß damit eine Lawine losgetreten wird, die Seehofer nie lostreten wollte: Wenn Viagra nicht erstattet wird, kann man endlich auch den ganzen anderen Pharmaschrott aus der Erstattung streichen, für den bisher der Wirksamkeitsnachweis fehlt oder der schlicht überteuert ist. Viagra ist also entweder ein Segen für die Männer oder ein Glücksfall für die Krankenkassen - vielleicht würden die Kassen ja so viel sparen, daß sie aus lauter Dankbarkeit Viagra bezahlten!

BAD PETERSTAL (BAD.-WÜRTT.)

DR. KARLHEINZ BAYER

Was vor 30 Jahren für viele Frauen die Entdeckung der Antibabypille war, ist heute für das stärkere Geschlecht das Potenz- Steigerungsmittel Viagra. Mit dem einzigen Unterschied, daß bei dem Verhütungsmittel nie auch nur die Frage aufkam, ob die Kassen das Präparat zur Empfängnisverhütung zahlen würden. Bei dem luststeigernden Mittel, das den »Patienten« in kurzer Zeit zum Stier werden läßt und ihm wieder neues Selbstwertgefühl verleiht, ist es erstaunlicherweise keine Frage, daß die Kassen zahlen sollen.

EMMENDINGEN (BAD.-WÜRTT.)

CAROLINE HOCHSTRAT

Als Inhaberin eines ambulanten Behandlungsdienstes kenne ich die Verweigerung elementarster Medikamentenverordnung durch Ärzte mit dem Hinweis gegenüber den Patienten: ,,Bedanken Sie sich bei Seehofer!« Ich kenne die sogenannte Cleverness von überwiegend wohlhabenden Leuten, die die Krankenkasse abzocken. Ich kenne das Bewußtsein einiger Patienten, die sehr wohl wahrgenommen haben, daß die Politik ihnen Besitzstandswahrung zugesagt hat. Und ich kenne Ärzte und Pflegedienste, denen systematisch das Wasser abgegraben wird mit dem Argument der Kostenreduzierung. Wenn Viagra Kassenleistung wird, platze ich!

MÜNCHEN LAURA R. BAUER

Es ist keinesfalls gerechtfertigt, im Falle Viagra für eine Tablette einen derart horrenden Preis zu verlangen. Hier muß der Gesetzgeber eingreifen und den Rahmen schaffen, daß bei einer Zulassung von Viagra in Deutschland ein entsprechend niedriger Preis zur Bedingung gemacht wird.

SCHNEVERDINGEN (NIEDERS.) DR. KARL WULFF

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