Ich, der Gutmensch - DER SPIEGEL
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Briefe

Ich, der Gutmensch
• aus DER SPIEGEL 15/1999
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Ich, der Gutmensch

Nr. 13/1999, Sozialhilfe: Die Scheinheiligen von Speyer

Da haben einige Gutverdienende versucht, mit dem Sozialhilfesatz einen Monat lang über die Runden zu kommen mit der Gewißheit, spätestens nach den vier Wochen wieder ihren alten Lebensstandard aufnehmen zu können. Man muß ihnen zugute halten, daß sie es wenigstens mit mehr oder weniger starkem Willen versucht haben. Aber alle sollten sich doch mal in die Lage einer vierköpfigen Familie versetzen, deren Einkommen bei regelmäßiger Arbeit kaum über den Sozialhilfesatz hinausgeht, wie dies bei Arbeitern und kleinen Angestellten und Beamten der Fall ist, und deren Einkommen nach vier Wochen nicht einfach steigt, sondern nach Jahren immer noch gering ist, so daß keine Geldreserven vorhanden sind, die eine bessere Qualifikation und damit ein höheres Einkommen ermöglichen.

MANDERSCHEID (RHLD.-PFALZ)

GERHARD DAWEN

Der SPIEGEL hat überhaupt nicht versucht, die Aktion und die Teilnehmer/innen zu beleuchten. Der Sache, um die es eigentlich bei der Aktion ging, haben Sie damit allerdings einen Bärendienst erwiesen. Die Diskussion um die Verteilung von Armut und Reichtum und die Sorge um die Menschen, die von Armut betroffen sind, werden dadurch nicht leichter.

SPEYER (RHLD.-PFALZ) RIGOBERT KEMPF

Als einer der sogenannten Scheinheiligen von Speyer, also einer von denen, welche die Aktion »Leben mit Sozialhilfe« mitgemacht haben, bin ich von Ihren unsachlichen, vor antikirchlichen Vorurteilen strotzenden Zeilen enttäuscht. An dieser Aktion hatten sich kritische und sozial engagierte Christen beteiligt, die nichts anderes wollten, als auf diesem Weg den eigenen sozialen Blick zu schärfen. Sicherlich fand die Aktion auf der »Spiel-Ebene« statt; aber der Mensch lernt nicht nur durch »trial and error«, sondern auch durch vorweggenommene Als-ob-Situationen. Der Mensch als Sozialwesen zeichnet sich dadurch aus, daß er sozialen Umgang lernt, indem er sich in andere hineinfühlen und hineinversetzen kann.

NEUSTADT (RHLD.-PFALZ) DR. THOMAS KIEFER

Ich, »Scheinheiliger« und »Gutmensch« zu Speyer, habe - ich bekenne mich schuldig im Sinne aller Anklagepunkte des SPIEGEL - als »Expeditionsteilnehmer« und »Aushilfsarmer« an der Aktion »Leben mit Sozialhilfe« der Diözese Speyer teilgenommen, um mich - ich habe gesündigt gegen die ewigen Gesetze des Medienehrenkodex - gut zu fühlen und es mir und allen in der Welt zu zeigen. Ich habe Böses getan, indem ich durch ein wenig Verzicht, manche nennen es auch Fasten, gegen das heiligste und erhabenste Gebot der Konsumgesellschaft verstoßen habe - durch meine Schuld, durch meine Dummheit, durch meine Einfalt.

WALDMOHR (RHLD.-PFALZ) MATTHIAS LAMBRICH

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