FERNSEHEN »Ich habe Schuhplatteln gelernt«
SPIEGEL: Herr Sander, Ihr Kommissar Toprak ist unglaublich penibel und verkörpert auch sonst auffallend viele so genannte deutsche Tugenden. Ist das Skript realistisch?
Sander: Durchaus. Ich selber ging in einem bayerischen Klosterinternat inmitten deutscher Prominentenkinder zur Schule und habe dort Schuhplatteln gelernt. Wenn man sein Leben lang daran erinnert wird, »du bist Türke«, und immer den Druck hat, sich anpassen zu müssen, dann wird man irgendwann deutscher als die Deutschen.
SPIEGEL: Sie sind im Alter von fünf Jahren von Istanbul nach Deutschland gezogen. Hatten Sie damals Vorurteile gegenüber den Deutschen?
Sander: Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich heulend aus dem Flieger gestiegen bin. Unser erster Gang führte in den Aldi, wo meine Mutter für uns Berge deutscher Schokolade gekauft hat, da war ich getröstet.
SPIEGEL: Wurden Sie in den ersten Jahren sehr gehänselt?
Sander: Am Anfang schon, Kinder sind recht skrupellos: Ob einer Segelohren hat oder Türke ist, gelästert wird immer.
SPIEGEL: Stimmt es, dass Sie der einzige Bewerber für die Rolle eines türkischen Derrick gewesen sind?
Sander: Wahr ist, dass ich mich eher zufällig und auf den letzten Drücker für das Casting beworben habe. Trotz zahlreicher hervorragender türkischer Schauspieler hatten die Macher zwei Jahre lang vergeblich nach einer passenden Besetzung gesucht, es war sogar ein Nichttürke im Gespräch.
SPIEGEL: Fühlen Sie sich nun als der RTL-Quotentürke?
Sander: Nein, ich bin Deutscher, bin multikulturell eingestellt und bekomme fast nur deutsche Fanpost .
SPIEGEL: Kann die neue Serie zu einem besseren Miteinander von Deutschen und Türken beitragen?
Sander: Der Pilotfilm läuft mittlerweile immerhin an türkischen Universitäten im Deutschunterricht.