TAZ Ideale billig verkauft
Nina Hagen will gerichtlich gegen die links-alternative »tageszeitung« ("taz") vorgehen. Das Blatt hatte ein Anfang Juni in der »taz« veröffentlichtes Gespräch der Rocksängerin mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, kurzerhand an das Springer-Blatt »B.Z.« weiterverkauft. »Der 'B.Z.' hätte Frau Hagen aber niemals ein Interview gegeben«, sagt der Anwalt der Musikerin, die sich mit dem Gottesmann bei Erdbeerkuchen und Kaffee über eine Wiedergeburt als Schnecke, den Papst sowie die Popgruppen Abba und Genesis unterhalten hatte. Das launige Gespräch fand »B.Z.«-Chefredakteur Franz-Josef Wagner so unterhaltsam, dass er es zwei Tage später nachdruckte. Besonders peinlich für die »taz«, zu deren Gründungsmythos der Kampf gegen die Springer-Presse gehört: Der einstige Klassenfeind bekam eine verkürzte Fassung des Interviews zum Schnäppchenpreis von 250 Mark. »Billiger«, so Hagens Anwalt, »kann man seine Ideale nicht verscherbeln.« Nun soll ein Gericht klären, ob der Weiterverkauf zulässig war.