Immer brutaler - DER SPIEGEL
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Briefe

Immer brutaler
• aus DER SPIEGEL 45/1992
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Immer brutaler

(Nr. 42/1992, Schulen: Gewaltwelle alarmiert Pädagogen/ SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth über Erpressungen und Roheiten an einer Essener Schule)

Wenn das die Kids sind, die uns später die Rente verdienen sollen, wird mir speiübel. *UNTERSCHRIFT: Rathenow (Brandenburg) UWE KENNKE

In Deutschland sind nicht nur Kinder offen gewalttätig. In unserer Gesellschaft ist Gewalttätigkeit allgegenwärtig. *UNTERSCHRIFT: Heidelberg HEIDE WÜST Sozialarbeiterin

Diese Artikel sollten für jeden Schulpolitiker und - noch wichtiger - für jeden Haushaltspolitiker zur Pflichtlektüre erklärt werden. *UNTERSCHRIFT: Nürnberg PETER GRASSER

Wir müssen uns freuen, wenn die Kinder im Zeitalter der egoistischen Selbstverwirklichung und des dumpfen blinden Verschwendens solche Frustgebärden von sich geben, denn damit halten sie uns nur unseren eigenen fetten Neurosenspiegel vor. *UNTERSCHRIFT: Mannheim AGUSTIN COBA

Wer seine Umwelt aufmerksam beobachtet, der weiß, daß Kinder schon lange im Fernsehen Modellfunktion haben für uns. Aber solange dieser Zusammenhang nicht bewiesen ist, brauchen wir uns doch keine Sorgen zu machen - oder? *UNTERSCHRIFT: Oldenzaal (Niederlande) ELKE GENT Diplompsychologin

Ich erlebe das Schulehalten an städtischen Sonderschulen seit Jahren genauso, wie es Ariane Barth so einfühlend beschrieben hat. Wir Lehrerinnen und Lehrer fühlen uns von den gesellschaftlichen Institutionen allein gelassen. *UNTERSCHRIFT: Mölsheim (Rhld.-Pf.) ULRIKE DICKHAUS

Gewalt in der Schule beruht nicht auf zuwenig, sondern auf zuviel Autorität und pädagogischer Selbstherrlichkeit in den letzten 10 bis 15 Jahren: Wenn man auf einen Topf mit brodelndem Wasser den Deckel zu lange zu fest draufhält, fliegen einem die Teile schließlich um die Ohren. *UNTERSCHRIFT: Gerstetten (Bad.-Württ.) WILLIBALD PAPESCH

Schule sollte ein Lebensraum sein, der Schutz und Geborgenheit bietet, den Schüler gerne aufsuchen. Das schlechte Ansehen der Schulpädagogen in der Öffentlichkeit ist begründet. Sie erfüllen ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht. *UNTERSCHRIFT: Thedinghausen (Nieders.) GERHARD SCHÄFER

Wie es in Amerika an den Schulen zugeht, gibt uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft. *UNTERSCHRIFT: Pulheim (Nordrh.-Westf.) DOROTHEA EVERTZ

Vielleicht merken die Kinder, daß keiner Generation bisher solche Hypotheken aufgelastet wurden wie ihrer: Schulden, Umwelt- und Klimazerstörung, Altersberg, Nord-Süd-Schere und so weiter. Vielleicht ist es in dieser Situation ja auch sinnvoll, sie dumm und gewalttätig zu halten, damit sie überleben. *UNTERSCHRIFT: Bremen ERNST THIENKEN

Während der Grundschulzeit unseres Sohnes verging kaum ein Tag, an dem er nicht mit blauen Flecken und Schrammen am ganzen Körper, Abdrücken von Profilsohlen im Gesicht und so weiter von der Schule nach Hause kam. Wir haben auf unseren Sohn eingewirkt, allen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, sich verbal zu verteidigen, da wir der Meinung waren, daß Zurückschlagen die Angriffslust der Mitschüler noch steigern könnte. Jetzt diskutieren mein Mann und ich darüber, wie wir unserem Sohn beibringen können, sich tatkräftig zu wehren. In unserem Hobbyraum hängt seit einiger Zeit ein Boxball mit dazugehörigen Hanteln. *UNTERSCHRIFT: Pforzheim BARBARA QUICK-VOLLMER

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