Schweiz: Immer teurer - DER SPIEGEL
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Schweiz Immer teurer

Die Wintersporthotels im Wallis verzeichnen die stärksten Buchungsrückgänge der letzten 20 Jahre. Sie sind vielen Ausländern zu teuer geworden.
• aus DER SPIEGEL 52/1974
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Wallis« (so ein PR-Inserat). glaubte an seine große Wintersaison. Dann flog er mit 100 Stundenkilometer über die Weltcup-präparierte Piste im Val d"Isére hinaus, Mit ihm kam die Hoffnung der Walliser Ferien-Manager zu Fall, der berühmte Collombin werde Reklamefahrer für ihr Skigebiet.

Dabei hätten sie's so nötig gehabt. Trotz hervorragender Schneeverhältnisse und zahl reicher guter Abfahrtspisten ist aus dem breiten Touristenstrom früherer Jahre ein dünnes Rinnsal geworden: In Saas Fee und Villars, in Verbier und in Zermatt klagen die Besitzer der Hotels über Buchungsrückgänge, »wie sie in den letzten 20 Jahren nicht vorgekommen sind«. Von den Ausländern. die vorigen Winter mi Walliser Schnee wedelten, meidet jeder vierte dieses Jahr die Schweiz.

Damit setzt sieh jetzt in der Welschschweiz ein Freud fort, der vor einem Jahr im ganzen Land begonnen hatte. So blieben im ersten Halbjahr 1974 rund 34 Prozent der Alp-fahrenden Briten der Schweiz fern, ebenso jeder vierte der Amerikaner und 13 Prozent der Franzosen und Italiener.

Noch im Oktober, als sieh die Schweizer Kurdirektoren zur Herbstversammlung trafen, hieß die Losung: »Keine Krise im Schweizer Fremdenverkehr,« Erst eine Anfang November unter 400 Hotels veranstaltete Umfrage ließ erkennen, daß über 40 Prozent der Häuser unter die Beleggrenze des Vorjahrs gefallen waren. Während die Hotels im Dezember früherer Jahre bis Ende März ausgebucht waren, ist dieses Jahr selbst noch zu Weihnachten und Silvester Platz, jedenfalls in der Preisstufe von 60 bis 90 Franken. Sichtbar wurde auch, daß vor allem die Schweizei Preise für den Rückgang des Touristenstroms gesorgt hatten. Wer noch im letzten Jahr beim Wintersport mit dabeisein wollte, konnte sieh für 400 Mark in einem gediegenen Mittel klasse-Flotel eine Woche lang voll verpflegen lassen und hatte das Ski-Lift-Generalabonnement inklusive. Dieses Jahr«, 50 schreckte sich ein deutscher Schnee-Fan im Flimser Verkehrsbüro, »ist die Vorsaison schon teurer als letztes Jahr die Hauptsaison«

Die Preiserhöhungen schwanken -- je nach Hotel-Kategorie -- zwischen 15 und 30 Prozent. »Unter zweitausend Mark«, rechnete ein Stuttgarter Skifahrer im Davoser Mittelklass-Hotel Montana« (Vollpension: 120 Franken) vor, »kommen wir hier nach einer Woche nicht wieder raus.«

Die sparsamen Schweizer hatten schon früher entdeckt, daß man besser in billig erstellte Appartements und Ferienwohnungen ausweicht, und in den meisten Wintersport-Dörfern übersteigt heute das private Betten-Angebot ("Parahotellerie") schon dasjenige der Hotels. Die Hotels ihrerseits wurden um so stärker von den Reiselaunen der Ausländer abhängig: Kommen die Franzosen, Engländer und Amerikaner nicht mehr wie früher, droht bereits die Katastrophe.

Katastrophal wäre ein weiterer Touristen-Rückgang auch für die eidgenössische Volkswirtschaft. Denn bisher konnten immerhin zwei Drittel des schweizerischen Außenhandels-Defizits in den Wechselstuben der Ferienorte ausgeglichen werden.

Nicht von ungefähr wird deshalb der Verkehr mit der Fremden neuerdings auch wissenschaftlich ernst genommen: Professor Claude Kaspar, Chef des St. Galler Forschungsinstituts für Tourismus, monierte, daß die Fremdenindustrie bislang nur nach »ihrer guten Nase« gewirtschaftet habe. in Zukunft aber brauche man präzise Informationen über Gewohnheiten und Trends der Ferienmacher. Nur dann, weiß Fremdenforscher Kaspar, könne »das preisliche Angebot mit den geänderten Nachfrageerwartungen in Einklang gebracht werden«.

Nur die Bündner Kurdirektoren glauben. diesen Einklang bereits heute zu besitzen. Denn im Gegensatz zu der von den Ausländern verlassenen Westschweiz haben die Fremden-Manager der Südostschweiz einen auch weiterhin treuen Verbündeten: »Unsere 6500 Hotelbetten«, so der Verkehrschef des größten Schweizer Sportzentrums Davos, Hannes Waldburger, »sind bis zur ersten Januar-Woche ausgebucht« mit Bundesdeutschen.

So kommt es, daß sich in den Bündner Sportzentren »eine Polarisierung« (Waldburger) abzeichnet: Wenig mehr als die Hälfte der Skifahrer sind Schweizer, die vorwiegend in Privatzimmern, in Zweitwohnungen oder Ferienappartements Urlaub machen Knapp die Hälfte sind Deutsche, die in den Hotels der gehobenen Klasse (50 bis 180 Franken pro Nacht) wohnen.

Doch richtig guten Mutes sind im Bündnerland einzig die Davoser. Sie haben ein Kongreß-Zentrum mit intelnationalem Zulauf. So werden Mitte März 3000 Mediziner zum Ärztekongreß der deutschen Bundesärztekammer nach Davos kommen. ha der große Saal des Kongreßzeitrums 1500 Zuhörer faßt, wird sich die andere Hälfte auf den Pisten und in den Bars erholen müssen.

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