Improvisation - DER SPIEGEL
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Briefe

Improvisation
• aus DER SPIEGEL 12/1948
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Improvisation

Zu Ihrem Jazz-Artikel »Der Pokal dem Trompeter« ("Der Spiegel« Nr. 10) möchte ich etwas kritisch Stellung nehmen.

Ich hörte viele Uebertragungen der »Radiod'iffusion Français« von dem großen »Jazz-Bacchanale« im Radio. Es mag sein, daß es totenstill war, als Louis Armstrong die Trompete an den Mund setzte, aber, daß er mit den »Hot Fives« wie »ein Orkan losbrach« - dieser Vergleich hinkt, und zwar nicht einem Orkan, sondern auch anderen Jazz-Orchestern gegenüber. Louis Armstrong und seine Mannen sind Jazzmusiker des klassischen Stils, und der klassische Jazz sieht sein Ziel nicht im orkanartigen Musizieren, sondern in der solistischen, ausgefeilten, einmaligen Improvisation.

Die großen Bands des »Commercial-Jazz«, wie man sie drüben nennt, halten schon eher einen solchen Vergleich aus. Denken Sie an die Orchester Woodie Hermann, Tommy Dorsey, Count Basy, Stan Kanton, Louis Prima und Gene Krupa. Diese Leute lieben es, orkanartig loszubrechen; dafür sind sie auch nicht bloß fünf einzelne Solisten, sondern eine Anhäufung technisch guter und bester Musiker, die auf die Note genau das spielen, was ein raffinierter Arrangeur aus einer simplen Melodie gemacht hat.

Tübingen

PETER STAMER

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