In eigener Sache - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung In eigener Sache / Titel

• aus DER SPIEGEL 28/2015
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wir haben es uns nicht vorstellen können, nicht vorstellen wollen. Dass es gefährlich ist, am Telefon ganz offen über die Angelegenheiten zu sprechen, die in einer Redaktion zum Alltag gehören. Wer welches Thema angeht, welchen Informanten man zu treffen beabsichtigt, welche Dokumente einer aufgestöbert hat. Oder dass es heikel ist, gewöhnliche Mails auszutauschen, mit Daten, Fakten, Anhängen. Es gab immer Leute in der Redaktion, die übervorsichtig waren. Man konnte sie leicht für paranoid halten. Bis Edward Snowden kam. Und dann das von den USA überwachte Mobiltelefon der Bundeskanzlerin.

Seitdem denkt die Redaktion des SPIEGEL anders über die Sicherheit in der Kommunikation. Seitdem wird über Krypto-Handys telefoniert, es wird verschlüsselt gemailt und bei Videokonferenzen in vorher vereinbarten Codes geredet. Die Sorge war, dass fremde Mächte, ausländische Geheimdienste oder andere hochgerüstete Spione vor allem unsere Quellen enttarnen wollen. Denn Quellenschutz ist eines der höchsten Güter des aufklärerischen, des unbequemen Journalismus. Und die Freiheit der Presse ist im Grundgesetz verankert. Deshalb sollte man in einem Rechtsstaat wie der Bundesrepublik die eigenen Sicherheitsbehörden nicht fürchten müssen.

Seit Kurzem weiß es der SPIEGEL besser. Er ist selbst zum Zielobjekt eines amerikanischen Geheimdienstes geworden. Und als die CIA ihre Informationen über die Quelle eines Redakteurs an das Bundeskanzleramt weitergab, hat die Regierung nicht die Mittel der Justiz in Anspruch genommen. Sondern die Mittel der Vertuschung.

Dass die Presse nicht mehr unter einem besonderen Schutz steht, dass sie in gleichem Maße ausgespäht wird wie Wirtschaftsunternehmen, Verbände oder Ministerien, ist eine neue Qualität. Dass sie von der eigenen Regierung augenscheinlich verraten wird, ist eine Ungeheuerlichkeit. Der SPIEGEL hat sich deshalb entschlossen, beim Generalbundesanwalt Anzeige zu erstatten – wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Die ganze Geschichte, wie der SPIEGEL ins Visier amerikanischer Dienste geriet und wie sich das Bundeskanzleramt dazu verhielt, lesen Sie in diesem Heft. zum Artikel 

Lange Warteschlangen an Geldautomaten, drängelnde Rentner vor verschlossenen Banken, Griechenland steht kurz vor dem Bankrott, hat als erstes Mitgliedsland der EU eine fällige Rate nicht an den IWF überwiesen und ein Referendum über ein weiteres Hilfsprogramm beschlossen. Scheitert der Euro, scheitert Europa, hat Angela Merkel gesagt. Nun könnte der Euro tatsächlich scheitern.

In dieser historischen Situation analysiert der Spiegel die Geschehnisse der Woche, ihre Hintergründe und möglichen Auswirkungen in neun Geschichten. Im Titelkomplex beschreiben René Pfister und Peter Müller die Rolle von Angela Merkel in der aktuellen Krise und erklären, warum sie die Dinge so lange treiben ließ. Julia Amalia Heyer, Katrin Kuntz und Alexander Smoltczyk verbrachten die vergangenen Tage in Athen, einer Stadt in Aufruhr, sprachen mit Verteidigern und Gegnern des Referendums, trafen Hedgefonds-Manager, die um ihre Milliarden fürchten, auch ins Parlament gewählte Neonazis, die sich auf die Seite der linksradikalen Regierung stellen. Ergänzt wird der Titelkomplex unter anderem durch ein Gespräch mit dem Historiker Andreas Rödder, der laut über die Grenzen der europäischen Integration nachdenkt.

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