»Irak-Krieg wäre für uns der Bündnisfall« - DER SPIEGEL
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TÜRKEI »Irak-Krieg wäre für uns der Bündnisfall«

General a. D. Çevik Bir, 63, im Jahr 1993 Oberkommandierender der Uno-Truppen in Somalia und danach bis 1998 stellvertretender Chef des türkischen Generalstabs, über die Bedeutung der Irak-Krise für sein Land
• aus DER SPIEGEL 49/2002
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SPIEGEL: Wie steht die türkische Armee zu den amerikanischen Kriegsdrohungen gegen den Irak?

Bir: Wir haben es mit dramatischen Szenarien zu tun, deshalb ist für die Politiker der Rat unserer Armee unverzichtbar. Die Türkei, die gerade erst Wahlen hinter sich hat, braucht außerdem dringend Zeit, um sich mit ihrem wichtigsten Verbündeten, den USA, abzustimmen. Sollte Saddam Hussein die Resolutionen des Uno-Sicherheitsrates nicht befolgen, dann hat er offenbar etwas zu verbergen. In diesem Fall wäre ein Krieg unausweichlich - aber nur als letzte Möglichkeit.

SPIEGEL: Wie steht Ankara dazu?

Bir: Die Türkei wäre unmittelbar von Saddams Waffen bedroht und hätte das Recht, die Ausrufung des Bündnisfalls nach Artikel 5 des Nato-Vertrags zu fordern. Dann wollen wir einmal sehen, wie unsere europäischen Nato-Partner Flagge zeigen und uns unterstützen. Wir sind schließlich der Frontstaat hier unten, und auf unseren rechtlichen Status in der Nato legen wir großen Wert.

SPIEGEL: Wie würde eine Operation im Irak militärisch verlaufen?

Bir: Aus türkischer Sicht wäre es am besten, wenn die US-Streitkräfte den Irak so besetzten und kontrollierten, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland besetzt und kontrolliert haben. Doch der Irak muss als Ganzes erhalten bleiben, seine territoriale Integrität ist unverzichtbar. Sollten die Amerikaner nur einen Krieg führen und dann das Land sich selbst überlassen, bliebe die Bedrohung bestehen.

SPIEGEL: Erhebt die Türkei Ansprüche auf die ölreiche Region um Kirkuk und Mossul?

Bir: Nein. Uns geht es nur um die territoriale Unversehrtheit des Irak. Kommt es zum Krieg, wird es dort allein die USA als Besatzungsmacht geben.

SPIEGEL: Die Kurden im Nordirak hoffen aber, dass die Amerikaner sie in die Unabhängigkeit führen.

Bir: Aus türkischer Sicht muss die Gründung eines eigenen kurdischen Staates unter allen Umständen verhindert werden - was auch im Sinne Europas und der Vereinigten Staaten ist. Wenn Sie den Kurden ihren Staat geben, dann werden auch die irakischen Schiiten im Süden einen eigenen Staat fordern. Wer wird dann die irakischen Ölressourcen kontrollieren?

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