Irene Pivetti,
32, kämpferische Katholikin und Präsidentin des italienischen Parlaments, ist päpstlicher als der Papst. Zuerst brüskierte die Spitzenpolitikerin die mehr als 300 000 Moslems in ihrem Land, indem sie der feierlichen Eröffnung der römischen Moschee fernblieb, zu der selbst der Vatikan einen Abgesandten geschickt hatte. Zwei Tage später setzte sie noch einen drauf: In der römischen Kirche San Luigi Gonzaga besuchte die Lega-Nord-Frau gemeinsam mit Mitgliedern des »Centro culturale Lepanto« einen Gottesdienst - als Privatperson, wie später betont wurde. Die Lepantisten, ein erzreaktionärer Katholikenklub, hatten zum wöchentlichen Rosenkranzgebet gegen das »Eindringen des Islam« in die Heilige Stadt aufgerufen. Jetzt streitet Italien quer durch alle Lager, ob die Frau, die das dritthöchste Amt im Staat bekleidet, politisch untragbar geworden ist oder einfach nur ihr Recht auf Religionsfreiheit genutzt hat. Auf dieses Recht verwies auch der Papst - anläßlich der Eröffnung der Moschee.