Irreführende Alternative
Nr. 29/2007, Schulpolitik: Hessens bibeltreue Kultusministerin Karin Wolff verstört Parteifreunde und Kirchenvertreter
Es ist kaum zu glauben, dass es heute noch Schulen gibt, welche die Evolutionstheorie Darwins bezweifeln, die jeder seriöse Naturwissenschaftler als Realität anerkennt. Ein Streit zwischen Naturwissenschaft und Religion könnte am besten vermieden werden, wenn man eine deutliche Trennungslinie ziehen würde. Dabei sollten toleranterweise die Gläubigen die Errungenschaften
der Naturwissenschaft akzeptieren, auch wenn diese ihren religiösen Vorstellungen widersprechen, und die Naturwissenschaftler sollten Glaubensinhalte respektieren, auch wenn diese ihnen unverständlich oder kurios erscheinen mögen.
FRECHEN (NRDRH.-WESTF.) PROF. CLAUS WERNING
Es ist Unsinn, wenn der Evolutionsbiologe Kutschera Karin Wolff unterstellt, sie würde den Kreationisten in die Hände spielen. Vielmehr ist ihr zunächst darin recht zu geben, dass im Biologieunterricht die Selbsterkenntnis der prinzipiellen Begrenztheit naturwissenschaftlicher Erkenntnis vermittelt werden soll. Außerdem werfen die naturwissenschaftlichen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte selbst philosophische Fragen auf, so dass sich für den nachdenklichen Forscher die Frage nach einer transzendenten Dimension des Kosmos und der Evolution geradezu aufgedrängt.
KASSEL DR. WOLFGANG REINHARDT
Ein wenig mehr Vertrauen in die Neugier, Sensibilität und philosophische Kraft unserer Kinder und in die Kreativität ihrer Lehrer, und die wortreiche Debatte, um das Anliegen der Ministerin wäre so überflüssig wie das gesamte kreationistische Weltbild.
OLPE (NRDRH.-WESTF.) STEFAN HUPPERTZ
Als Naturwissenschaftler (und SPD-Mitglied) möchte ich Frau Wolff gegen überzogene Kritik in Schutz nehmen. Die Alternative Kreationismus oder Evolutionstheorie ist irreführend. Zwar haben religiöse Lehren im Biologieunterricht keinen Platz, wohl aber kritische Reflexionen über die Tragweite von Naturwissenschaft.
BOCHUM PROF. DR. G. EWALD