Jack Lang
ist der zehnte Kulturminister der Fünften Französischen Republik und der farbigste seit de Gaulles großem Malraux, den er in einem sogar übertrifft: Er erreichte, daß der Haushalt für Kunst und Kultur von 1981 auf 1982 verdoppelt wurde - denn nach dem Wort seines Chefs Francois Mitterrand ist Sozialismus »vor allem ein kulturelles Anliegen«.
Schon vor dem Wahlsieg der Sozialisten im Frühjahr 1981 hatte sich Lang, 43, kulturpolitisch profiliert: Obschon Jurist, gründete er an der Universität Nancy ein »Weltfestival der Studententheater«.
1972 wurde er, inzwischen Dozent für Öffentliches Recht, zum Leiter des kleinen Staatstheaters im Pariser Palais Chaillot berufen. Doch unter Giscard d'Estaing entledigten sich die Konservativen schnell des experimentierfreudigen Theatermannes.
Nach Mitterrands Wahlsieg am 10. Mai 1981 organisierte er in Paris die pathetische Inthronisierung des Präsidenten im Pantheon: Ganz allein schritt Mitterrand durch das finsterpompöse Gebäude, um je eine rote Rose am Grab des 1914 von einem Franzosen ermordeten pazifistischen Sozialisten Jean Jaures und des 1943 von den Deutschen ermordeten Widerständlers Jean Moulin niederzulegen. Ein Chor sang Beethovens Hymnus »An die Freude« auf deutsch - Inszenierung Jack Lang.
Eine scharfe Anklagerede gegen den »kulturellen Imperialismus« der Amerikaner auf der Weltkulturkonferenz 1982 in Mexiko machte Lang zur international kontroversen Figur.