Jacques Chirac
Jacques Chirac, 67, französischer Staatspräsident und Herr über die Streitkräfte, demonstrierte der Nation, dass er auch in der politischen Zwangsehe mit der Linksregierung auf militärische Rang- und Hackordnung achtet. Weil ihm die unauffällige Platzierung eines überdies mit kümmerlichen Fotos garnierten Interviews nicht passte, das er dem Soldaten-Magazin »Armées d'aujourd'hui« gewährt hatte, ließ der Gaullist kurzerhand die gesamte Auflage von 150 000 Exemplaren einstampfen. Dem Elysée-Herrn - selbst einst wegen Tapferkeit im Algerienkrieg dekorierter Leutnant - missfiel zunehmend, wie der sozialistische Verteidigungsminister Alain Richard sich das Oberkommando über Armee und Gendarmerie unter den Nagel zu reißen suchte. Der durch die Maßregelung blamierte Wehrminister gestand zwar ein, dass ein »Bewertungsfehler« das Chirac-Gespräch dezimiert habe, nahm aber Rache: Weil es angeblich an geeignetem Papier für eine schnelle Neuauflage der Gazette mangelte, wird Chiracs Millennium-Botschaft an die Soldaten erst gegen Ende dieses Monats herauskommen. Ein hoher Elysée-Beamter zeigte sich dennoch zufrieden: »Die Ordnung ist wiederhergestellt.«