Jacques Chirac
Jacques Chirac, 67, französischer Staatspräsident und Liebhaber russischer und japanischer Lyrik, recycelte eine verschollen geglaubte französische Vokabel für den politischen Sprachgebrauch: abracadabrantesque (verworren, absurd). Der Gaullist hatte die Variante der alten Magier-Formel Abrakadabra in eine TV-Ansprache eingeflochten, mit der er die posthumen Anschuldigungen eines verstorbenen Parteifinanziers herunterspielen wollte, er sei in den Achtzigern in seiner Doppelfunktion als Premierminister und Pariser Bürgermeister in Schmiergeldaffären verwickelt gewesen. Für kurze Zeit konnte sich der Staatschef für seinen verbalen Geniestreich bestaunen lassen, doch jetzt spürten Experten den wahren Wortschöpfer auf: Der Poet und Sprachrevolutionär Arthur Rimbaud (1854 bis 1891) hatte 1871 das wenig bekannte Gedicht »Le coeur du pitre« mit der seltsamen Zeile eröffnet »O flots abracadabrantesques«. Das verbale Remake des rechten Chirac ist in kurzer Zeit derart ins Umgangsfranzösisch eingesickert, dass die neidischen Linken es ihrerseits politisch einsetzen wollen. Ein hoher Sozialist: »Chirac braucht künftig nur noch den Mund aufzumachen - schon halten wir die Etikette abracadabrantesque bereit.«