Jäger statt Raketen?
Um das 100-Milliarden-Projekt »Jäger 90« zu retten, erwägt die Bundesluftwaffe den Verzicht auf ein neues Raketensystem zur Fliegerabwehr. Als Nachfolger der Nato-Luftabwehrrakete »Hawk« sollte die Bundeswehr nach Plänen der Kohl-Regierung 2664 neue radargelenkte Flugkörper anschaffen. Das schon mehrmals verschobene Projekt trägt das Kürzel »MFS-2000«. Die Gesamtkosten wurden Mitte der achtziger Jahre auf rund vier Milliarden Mark veranschlagt. Die vom Bundeskabinett im Dezember gebilligte Verkleinerung der Bundeswehr und die absehbaren Ergebnisse der Wiener Abrüstungsverhandlungen (siehe Seite 66) haben Bonner Militärs jetzt zum Umdenken bewogen: Der umstrittene und wegen anhaltender Querelen der Produktionspartner noch nicht endgültig abgesicherte Jäger 90 könne zumindest einen Teil der Aufgaben des MFS-2000 übernehmen. Wie die Hawk-Rakete sei der Jäger 90 in der Lage, Flugzeuge zwischen 30 und 3000 Meter Höhe abzuschießen. Schönheitsfehler dieser neuen Überlegungen: Während sich Raketenabschüsse lautlos im Simulator durchspielen lassen, müßten die Düsenjäger auch künftig lärmend über der Bundesrepublik üben.