JARGON
Der Chefredakteur des »Dimitag«-Pressedienstes, Erich Wagner, hat in dem von Ihnen zitierten Aufsatz »Das Referendum der Leserbriefe« sehr richtig auf die methodische Aktivierung Ihrer Leserschaft hingewiesen. Im Ton unterscheidet sich der typische SPIEGEL-Leserbriefeinsender kaum graduell von der High-brow -Aggressivität Ihrer Artikel. Er fühlt sich als Kommunikant der von Ihnen ausgestrahlten Unanfechtbarkeit und Unerschrockenheit und setzt sich - wie Sie als Institution - selbst absolut. Von hier aus ist es nur noch ein kurzer Schritt zum perfekten SPIEGEL-Denken, von dem insbesondere die wachsweichen Hirnfelder junger Studenten befallen zu sein scheinen. Als besonders SPIEGEL-like geltende Wörter und Wortklischees verraten die näselnde Arroganz der Alleswissenden; der Jargon wird zum Kennwort der SPIEGEL-Gemeinde.
Selbst wenn man Ihnen als zweckvolle Institution, die Ihr Blatt im Nachkriegs -Deutschland zweifellos darstellt, eine gewisse Existenzberechtigung nicht absprechen kann, so muß die Weise, wie Sie eine Schicht der geistig-politisch Arrivierten heranzüchten, bedenklich stimmen.
z. Z. Bottrop HANS H. MANN