Jeder ekelt sich
Nr. 11/2000, Fleisch: Risikofaktor Tierfutter; Groteske EU-Agrarpolitik
Solange der Verbraucher immer weniger zu zahlen bereit ist und nicht nur der Sonntagsbraten auf dem Tisch stehen muss, sondern jeden Tag Fleisch und Wurst gegessen wird, wird sich an den Methoden der Tierfutterherstellung nicht viel ändern. Jeder ekelt sich, aber beim nächsten Einkauf schaut man doch wieder auf Sonderangebote, statt beim kleinen Metzger oder beim Bauern direkt einzukaufen. Einzige Frage, die bleibt: Sind die Betreiber der Anlagen Vegetarier?
RIEGELSBERG (SAARLAND) DORIS LECHTENBÖRGER
Seit 50 Jahren betreiben wir eine Fleischerei, deren Konzept in der heutigen Zeit antiquiert erscheinen mag. Es besteht eine Wettbewerbsverzerrung zwischen Handwerksbetrieben und Schlachthöfen und Wurstfabriken. Hervorgerufen wird dies durch subventionierte Fleisch- und Lebendtiertransporte, subventionierte Fleischberge in den Kühlhäusern, subventionierte EU-Schlachthöfe. Der Handwerksbetrieb erhält keinen Pfennig Unterstützung für seine traditionelle Arbeit, im Gegenteil, er wird mit überhöhten Gebühren der Fleischbeschau und der Schlachtabfallentsorgung belastet. Lasst doch die Tiermehlproduzenten ihr Produkt selber essen!
ÜBACH-PALENBERG (NRDRH.-WESTF.) LEO MEERTENS FLEISCHERMEISTER
Für Tierfutter gelten mindestens so strenge Vorschriften wie für menschliche Nahrungsmittel, teilweise schärfere. Im Übrigen: Leistungsförderer in der Tierernährung wurden in den vierziger Jahren entdeckt (nicht von der EU-Agrarpolitik) und werden seither fortlaufend weiterentwickelt und immer sparsamer eingesetzt. Tiermehl ist auch keine Erfindung der EU, sondern weltweit praktiziertes Recycling, in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert. Auch hier gelten fortlaufend verschärfte Vorschriften. Eindeutig verboten sind die Beimischung von Klärschlamm, von Transformatorenöl, die Verbrennung von Plastikmüll bei der Futtertrocknung wie auch die Hormonmast. Die Aufdeckung krimineller Praktiken ist eine Folge der konsequenten Arbeit der Überwachungsbehörden der Länder und verdient Anerkennung.
BERLIN SIGRUN NEUWERTH PRESSESPRECHERIN BUNDESMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN
Dass Funke dem EU-Agrarwahnsinn genauso ignorant gegenüberstehen würde wie seine europakranken Vorgänger, war mir klar. Dass aber die Grünen, die vor Jahren als angebliche Ökopartei angetreten waren, gegen diese Schweinerei nichts unternehmen und lieber im eigenen Saft schmoren, nehme ich ihnen übel.
RAUBLING (BAYERN) GUNARS DENAVS