Jenseits aller Emotionen - DER SPIEGEL
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Briefe

Jenseits aller Emotionen
• aus DER SPIEGEL 3/2002
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Jenseits aller Emotionen

Nr. 1/2002, Titel: Euroland - Die neue Geldmacht

Der Abschied von der D-Mark fällt schwer. Mit der Ausgabe von Münzen und Scheinen in zwölf Ländern ist das Euroland noch keine Einheit. Wir haben zwar eine gemeinsame Währung, aber Europa besitzt immer noch kein wirksames Parlament. Völlig unklar ist, wie sich die notwendige Stärkung der europäischen Institutionen mit der anstehenden Erweiterung der Union vereinbaren lässt. Wie soll aus Einheitsgeldmarkt und -währungspolitik eine gemeinsame Sozial- und Außenpolitik erwachsen? Es ist zu befürchten, dass der Euro für ein Schein-Europa steht.

ELLERAU (SCHL.-HOLST.) PETER GROTH

Die Deutschen akzeptieren den Euro, nachdem dieser vorher mehrheitlich abgelehnt wurde. Dieser Sinneswandel kam für mich nicht überraschend. Auffallend war in diesem Fall doch, dass sich keine ernst zu nehmende Initiative gegen den Euro eingesetzt hat, während sich Deutsche sonst schnell zusammenfinden, wenn gegen irgendetwas protestiert werden kann. Die Anzeigen, die von einem Geschäftsmann gegen die neue Währung geschaltet wurden, waren Einzelaktionen. Sie waren meines Erachtens mehr emotional als rational-ökonomisch motiviert und entbehrten auch nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Sonst war den Deutschen der Erhalt der D-Mark keine müde Mark wert.

LÖRRACH (BAD.-WÜRTT.) DR. BERND WARKENTIN

Europa im Euro-Fieber!, berichtet der SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe. Was rät der Hausverstand, was rät die Medizin zur Vermeidung von weiteren Fieberschüben und Fieberphantasien? Kalte Umschläge, Bettruhe, Geduld beim Auskurieren. Der Euro ist ein Eliten-Projekt ohne Rückhalt zumindest in der deutschen Bevölkerung, nicht gewollt, sondern verordnet. Von vielen wird er als Fremdwährung im eigenen Land betrachtet. Der Euro wird kommen, und er wird gehen.

BÜRMOOS (ÖSTERREICH) DR. GÜNTHER WITZANY

Wenn die Einführung der gemeinsamen Währung überhaupt etwas zeigt, dann dies: Der »Bürger Europas« ist ab sofort weder hohle Rhetorik noch eitle Schwärmerei, sondern nimmt langsam Gestalt an. Wir können es schaffen!

BEIRUT (LIBANON) ANDREAS KROPP

Wir wollen nicht in Pessimismus machen und unserem Qualitätsprodukt »DM« nachtrauern, es bleibt, bei allen Lobgesängen auf den Euro, aber abzuwarten, ob er - jenseits aller Emotionen - an die dauerhaft stabile Werthaltigkeit und international bedeutende Akzeptanz der Mark heranreichen kann. Wünschen wir Euroland und seinen politisch Verantwortlichen Mut für die dringend notwendigen Reformen, Einsicht, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank zu respektieren, und uns eine inflationsresistente neue Währung auf dem Weg zu einem einigen Europa.

MERZENICH (NRDRH.-WESTF.) STEPHAN ERVEN

Bei aller Euphorie über die neue Währung geht uns doch ein großes Stück Kultur verloren. Mir hat der Umtausch in anderen Ländern nie Probleme bereitet, und ich gehöre nicht zu den mathematischen Genies. Die Bundesbürger freuen sich auf den Euro? Es bleibt ihnen ja nichts anderes übrig, als die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen, und das Beste daraus zu machen.

HAMMELBURG (BAYERN) ANKE TRENTIN

Mich hat schon vor geraumer Zeit das Gefühl beschlichen, dass in unserer Gesellschaft jetzt endgültig der liebe Gott durch das Geld ersetzt worden ist. Äußerungen wie: »Eine Währung in die Herzen der Bürger pflanzen«, die einer der Priester des Geldes bei dem Tanz um das Goldene Kalb anlässlich der Euro-Umstellung fallen ließ, veranlassen mich zu dem Aufschrei: »Wo ist Moses?«

SCHACHT-AUDORF (SCHL.-HOLST.) INGWER NOMMENSEN

Schade, welch eine verpasste Gelegenheit in der Berichterstattung des SPIEGEL! Statt Einsicht in einen großen Augenblick der europäischen Geschichte nur kleinliche Mäkelei am Euro. Heißt kritischer Journalismus denn wirklich, nicht begreifen zu können, dass nach Jahrhunderten der gegenseitigen Kriege und nach Jahrzehnten des Ringens um eine neue europäische Ordnung der erste Euro-Tag ein wahrlich historischer Tag ist?

HILVERSUM (NIEDERLANDE) JÜRGEN C. HEß

Das Haus Europa ist kein Armenhaus. Der Euro bündelt die Kräfte, und entstehen wird eine neue Hochburg des Kapitalismus.

WIEN GERMUND FITZTHUM

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